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Ein deutscher Brutus
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Am 12. Oktober 1809 nahm Napoleon vor Schloß Schönbrunn die Parade der Garde ab. Viele Schaulustige umsäumten den Platz, um den Kaiser und seine berühmten Gardesoldaten zu sehen. Napoleon hatte bei solchen besonderen Anlässen gern ein großes Publikum. Die Absperrung war locker.
Die Parade näherte sich dem Ende, der Kaiser ritt inmitten seiner Suite, als es einem jungen Mann gelang, sich zwischen die Pferde zu drängen. Er hielt ein Bittgesuch in der linken Hand und stürmte plötzlich vor zu dem Schimmel, auf dem Napoleon saß. Der Jüngling wurde ergriffen, und man fand ein langes Küchenmesser bei ihm, mit dem er — da bestand kein Zweifel — den Kaiser hatte töten wollen!
Bei dem Attentäter handelte es sich um Friedrich Staps, Sohn eines protestantischen Pfarrers aus der Stadt Naumburg in Sachsen. Zur Wache geschafft und verhört, erklärte er wiederholt, nur dem Kaiser selbst Rede und Antwort stehen zu wollen. Sein Benehmen war furchtlos, des öfteren drückte er seine Lippen auf das Bild eines jungen Mädchens.
Napoleon erhielt sofort Meldung von dem versuchten Mordanschlag und verlangte, den Verhafteten zu sehen.