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KAPITEL EINS
Rias Mutter hatte schon immer für Filmstars geschwärmt. Es hatte sie sehr bekümmert, daß Clark Gable ausgerechnet an dem Tag gestorben war, an dem Ria geboren wurde. Zwar war Tyrone Power auf den Tag genau zweiJahre vor Hilarys Geburt gestorben, aber das war lange nicht so schlimm. Ria, nicht Hilary, hatte an dem Tag das Licht der Welt erblickt, an dem der König der Leinwand das Zeidiche segnete. Wenn Ria Vom Winde verweht sah, hatte sie immer ein bißchen ein schlechtes Gewissen. Das erzählte sie auch Ken Murray, dem Jungen, von dem sie ihren ersten Kuß bekam. Sie sagte es ihm im Kino. Und zwar, während er sie gerade küßte.
»Meine Güte, bist du langweilig«, erwiderte er bloß und versuchte ihr die Bluse aufzuknöpfen.
»Ich bin gar nicht langweilig«, protestierte Ria energisch. »Da vorne auf der Leinwand ist Clark Gable, und es gibt etwas, was mich mit ihm verbindet. Wenn das nicht interessant ist!« Ken Murray war es peinlich, daß sie so viel Aufmerksamkeit erregten. Die Leute machten »pscht« zu ihnen herüber, manche lachten sogar. Deshalb rückte er von Ria weg und kauerte sich tief in seinen Sitz, als wollte er nicht mit ihr zusammen gesehen werden.
Ria hätte sich ohrfeigen können. Sie war jetzt beinahe sechzehn. Und alle ihre Klassenkameradinnen fanden Küssen klasse, zumindest behaupteten sie das. Aber wollte sie es selbst einmal ausprobieren, vermasselte sie alles. Vorsichtig tastete sie zu ihm hinüber. »Ich dachte, du wolltest den Film sehen«, brummte er. »Ich dachte, du wolltest mich vielleicht in den Arm nehmen«, erwiderte Ria hoffnungsvoll.