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VORWORT
Ein Mann überdenkt sein Leben, er schildert es in Worten und mit Fotografien. Was für ein Mann! Was für ein Leben!
Eduard Jean Steichen, am 27. März 1879 in Luxemburg als Sohn einfacher Eltern, späterer Auswanderer, geboren - am 27. März 1964 in Ridgefield, Connecticut, auf seinem ausgedehnten Landsitz den fünfundachtzigsten Geburtstag begehend - Edward J. Steichen, seit vielen Jahr-zelinten Amerikaner. Ein großer Matm, ntin ein weißbärtiger Patriarch, Mensch und Monument der Fotografie.
In Deutschland machte ein Skandal seinen Namen zuerst bekannt. Als die «Photographische Rundschau» 1902 zwölf Arbeiten des jungen Steichen veröffentlichte, erregten diese «einen Sturm der Entrüstung», und der Redakteur mußte zurücktreten. Das vollendete Werk sah man auf der «photokina» Köln 1963. Es liinterheß einen tiefen Eindruck. Dieses Buch zeigt es nun, und Steichen erzählt dazu.
Längsschnitt und Querschnitt durch sein schöpferisches Wirken sind wahrhaft imponierend. Alle Stilarten der Fotografie hat dieser Meister der Kamera durchschritten; manche hat er geschaffen. Zugleich bewies er sich als Maler, Förderer moderner Kunst, Chef der US-Luftfoto-grafie im Ersten Weltkrieg, Starfotograf der Zeitschriften Vogue und Vanity Fair, Chef der Fotografie der US-Seestreitkräfte im Zweiten Weltkrieg, Blumenzüchter, Museumsdirektor, Ausstellungsgestalter, Anreger, Juror, Kritiker, Dozent und Schriftsteller - stets ein Beweger.
Seine Schau «The Family of Man» wurde ein Welterfolg. Sie war, wie ein kluger deutscher Beurteiler schrieb, «von einem Weisen gestaltet». Der Katalog erreichte MilHonenauflagen. Als sie im Frühjahr 1955 im Museum of Modern Art ihre Premiere erlebt hatte, führte mich Steichen. Nachher fragte man mich, was ich zu dieser Foto-Sinfonie meine. Ich gestand, ich könne noch nichts sagen, ich hätte sie nur gehört, nicht gesehen. So stark war die Persönlichkeit Steichens, wenn man in ihren Bann geriet.
Das ist mir oft vergönnt gewesen, in New York, in meinem Kölner Heim, in Berlin und mehrmals in der Weite seines Landsitzes. Zuletzt mit seiner schönen, fünfzig Jahre jüngeren Frau Joanna, seinem irischen Wolfshund tmd seinem nur dreibeinigen Beagle, «Tripod» gerufen. Er sprach von der Zukunft
L.Fritz Gruber