Bővebb ismertető
Seit einigen Tagen schlief Katharina Ledermacher in den frühen Morgenstunden unruhig.Zu ihren Gewohnheiten gehörte es, gegen fünf, im Halbschlaf, mit einem geschlossenen und einem viertelgeöffneten Auge und behutsam, um nicht aufzuwachen, aufs Klo zu gehen. Erleichtert kuschelte sie sich danach wieder an Roberts Seite, überhörte sein betontes Ein- und Ausatmen, das ihr zeigen sollte: du hast mich gestört, und schlief sofort tief und ruhig weiter, bis sie durch dröhnende Glocken genau um sieben geweckt wurde. Die Drei-Zimmer-Wohnung lag im vierten Stock eines Altbauhauses in der Charlottenburger Pestalozzistraße, gegenüber der Trinitatis-Kirche auf dem Karl-August-Platz.Die Kirche, ein aufgeplustertes Backsteinhuhn, wie Katharina fand, mit hoher, kupfergrünschwarzer Nachkriegsturmspitze, der höchsten West-Berlins, wie Robert behauptete, war im neunzehnten Jahrhundert in wilhelminischer Gotik gebaut worden. Das Läutwerk ging um sieben los, um zwölf, zu jeder Hochzeit, und sonntagvormittags ab acht mindestens viermal. Um sieben dauerte es genau drei Minuten. Meistens stand Katharina während der letzten Töne nackt am Fenster oder, im Sommer, in einem alten Unterhemd Roberts auf dem morschen Balkon, der immer noch nicht baupolizeilich abgebrochen worden war, und blickte über schüttere Akazienwipfel hinweg auf eine der vier riesigen Kirchturmuhren. Dann blickte sie auf ihre Armbanduhr. Diesen Moment mochte Katharina, egal ob noch Straßenlaternen brannten oder schon lange die Sonne schien.Die türkischen und jugoslawischen Straßenreiniger waren noch fern. Die Expreßreinigung, die Fleischerei, der Autoverleiher, das Bestattungsunternehmen, der Werkzeugladen, die Druckerei, die Schlosserei, die zoologische Handlung, Schuberts gegen Hertie ankämpfende Feinkost, die drei Möbelgeschäfte, fünf Kneipen und sieben Trödelläden, die Katharina sehen konnte, hatten alle noch geschlossen. Ebenso Hertie an der Ecke Wilmersdorfer. An zwei, drei weiteren Läden blieben seit Monaten die Rolläden schief und verdreckt heruntergezogen, Firmenschilder waren abgenommen oder zerschlagen. Aber in den andern, noch nicht dem Verfall und den Ratten überlassenen Läden wurde schon gearbeitet. Einige Hunde vermehrten die bereits vorhandenen Kackhaufen und Pissepfützen auf dem Karl-August-Platz und auf den Bürgersteigen der Pestalozzistraße. Einige der in langen Reihen an beiden Straßenrändern parkenden Autos setzten sich in Bewegung, lautlos unter dem Lärm der Glocken. Erst wenn der letzte Glockenton allmählich verstummte, waren wieder Geräusche zu hören, das Kaffeewasser aus der Küche, von der Straße Schritte, Rufe,