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1. Kapitel Die »Freiheit«
»Jetzt beginnt mein Leben«, denkt Jutta und heftet den Blick begierig auf das helle Viereck des Zugfensters. Draußen scheint die Landschaft unaufhaltsam dahinzuziehen, sonnig, heiter, friedlich.
»Alles das ist jetzt auch meine Welt«, spinnt Jutta ihren Gedanken fort. »Ich bin von nichts mehr ausgeschlossen. Jetzt beginnt mein Leben.«
Jutta lehnt sich zurück und überläßt sich zum ersten Mal seit Jahren ihren Gedanken ohne Bitterkeit und Ungeduld. »Jetzt habe ich es erreicht, es ist überstanden. Ich bin frei, ich kann leben, wie es mir gefällt.«
Sie lächelt traumverloren, merkt aber gleich darauf, daß ihr der junge Mann auf dem Sitz gegenüber einen neugierig-er-staunten Blick zuwirft. »Ich könnte ein Gespräch mit ihm anfangen«, denkt Jutta, »und niemand würde mich strafend anblicken, niemand würde mich mehr daran hindern.« Aber sie steckt zu sehr in ihren Gedanken, sie hat keine Lust, sich ablenken zu lassen, ihr Blick gleitet wieder zum Fenster hinaus.
Es ist noch dieselbe Landschaft wie rings um die Anstalt, in der sie nun vier Jahre zugebracht hat. Die Felder und Wiesen scheinen ihr jedoch mit jeder Minute ein neues, einladendes Aussehen zu gewinnen. In längstens einer halben Stunde — Jutta weiß es noch aus dem Geographieunterricht — werden die Wälder und Hügel beginnen, und nichts wird sie mehr an die verhaßte Zeit hinter den Mauern erinnern.