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Nun zu guter Letzt .
Die Abschiedsrede an die Abiturienten hielt Professor Rupp, der Mathematiker. Hofrat Reinholm, der Direktor des Ernst-Wilhelm-Realgymnasiums, war schon seit langer Zeit krank, und seine Stellvertretung lag bei dem dienstältesten Herrn des Lehrkörpers, eben bei Dr. Rupp, der sich mit einigen formelhaften Wendungen redlich, aber schwunglos aus der Affäre zog. Dr. Silonius, der Schöngeist der Anstalt, von dem im Sonntagsfeuilleton des »Generalanzeigers« hin und wieder Gedichte erschienen und der angeblich auch schon ein Erzählungsbändchen herausgebracht hatte, rieb sich gelangweilt die Nase und starrte ohne sonderliche Anteilnahme auf das abschiednehmende Häufchen von Oberprimanern und Oberprimanerinnen, die, schwarzgekleidet, ihrer eigenen Beerdigung beizuwohnen schienen.
Keine hübschen Mädchen, dachte er bei sich, begabt, aber uncharmant.
»Und die Sonne Homers«, sagte Professor Rupp, »siehe, sie lächelt auch uns.«
Einige Unterprimaner husteten demonstrativ. Von heute an waren sie die oberste Klasse, da die Mädchen und Jungen auf den mit Kirschlorbeer umwundenen Stühlen nicht mehr zu dieser Welt der Schule gehörten — und als angehender Oberprimaner nahm man sich schon etwas heraus. So auch in diesem Augenblick, da das große, üppig in Gold gerahmte Aulabild, welches in blassen Ölfarben melancholische antike Trümmer zeigte, wieder einmal zur oratorischen Eselsbrücke wurde, einen ungeschickten Redner das schwach fundierte humanistische Erbe der Schule betonen zu lassen. Da das Schillerwort auf einem Goldtäfelchen am Rahmenrand aufgezeichnet stand, machte das Zitieren überdies keine Mühe, und den ironischen Protest der UI überhörte der alte Mathematiker.
Dr. Rupp schien ebensowenig ein inneres Verhältnis zu seinen Schülern zu haben wie zu jenem ruinösen Hellas der Dichter und Philologen. Er verbrachte seine Ferien alljährlich in Scharnitz in Tirol, wo er auf heimlichen Gängen den Gemsen auflauerte, deren Zahl er angeblich jeden Abend in ein abgegriffenes Taschennotizbuch eintrug. Am Ferienende addierte er sie zusammen, um dann, einem unter den Kollegen kursierenden Gerücht zufolge, zu Hause die Summe in ein festgebundenes Kontobuch einzutragen. Es hieß, er sei jetzt bei der Zahl 459 angelangt und hoffe, in den kommenden Sommerferien die
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