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EINFÜHRUNG
Wer ist Brigham Young? Der europäische Leser kennt vielleicht nicht einmal den Namen dieses Mannes.
Nun, Brigham Young ist der Moses der durch ihre Vielweiberei bekannten Mormonen. Er hat diese buchstabengläubigen, bibelfesten Männer unter unsäglichen Verfolgungen und Entbehrungen aus den Ländern ihrer Feinde in den damaligen Far-West geführt. Innert eines Menschenalters hat er diese Wildnis in ein Gelobtes Land verwandelt. Mit 10 000 armseligen, müden und kranken Flüchtlingen hat Brigham in diesem Indianergebiet seine Zelte aufgeschlagen und die Wildnis in den blühenden Staat Utah verwandelt, dessen 400,000 Bürger keine Armut kennen, ein freies Volk auf freiem Boden. Mehr als drei Jahrzehnte war Brigham Young ihr Papst und aufgeklärter Despot, ihr massgebender Berater bei grösseren Unternehmungen, und seine Erlaubnis war für jede von den vielen Ehen seiner Volksgenossen unerlässlich. Die Kirche, deren Prophet und Hohepriester er war, hat er in einem Reichtum zurückgelassen, den er als geschickter Geschäftsmann den Gläubigen durch unablässiges Drängen für Gott abzunehmen wusste. Er selbst, ursprünglich ein armer Anstreicher, hat seinen zwei Dutzend Frauen und seinem Schock Kinder ein Vermögen von zwei Millionen Dollars hinterlassen. Er war eben eine einzigartige Verbindung von Geschäftsgenie und Prophet. Kein Wunder, dass Seward, der ewig zögernde Sekretär Abraham Lincolns, Brigham Young als den grössten Staatsmann seiner Zeit bezeichnet haben soll. Mit Recht spricht der sonst so ironische und skeptische Verfasser dieses Buches seine Überzeugung aus, dass zwar der Mormonismus ohne Brigham Youngs Leitung nicht ein Jahr überlebt hätte, dass aber Brigham Young auch ohne die Mormonen ein grosser Mann geworden wäre.
Leicht zu begreifen ist allerdings dieser Mann nicht, ein umfangreiches Buch wie dieses ist für eine solche Aufgabe eben ausreichend. Wie konnte der nüchterne, alles erratende Yankee Brigham Young die Kindermärchen glauben, welche der abenteuerliche
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