Bővebb ismertető
Statt eines Vorworts
Der Solschenizyns Erzählung zugrunde liegende, aus dem Leben gegriffene Stoff ist in der Sowjetliteratur ungewohnt. In ihm spiegeln sich jene schmerzhaften Erscheinungen in unserer Entwicklung, die mit der von der Partei schonungslos bloßgelegten und verurteilten Periode des Personenkults in Zusammenhang stehen, die uns, obwohl uns nur eine kurze Zeit von ihr getrennt, als ferne Vergangenheit erscheint. Für die Gegenwart jedoch ist diese Vergangenheit - wie sie auch gewesen sein mag - niemals gleichgültig. Die Gewähr für einen vollständigen und endgültigen Bruch mit all jenem in der Vergangenheit, was sie verdüstert hat, liegt darin, daß wir ihre Folgen bis zum letzten ergründen. Eben davon sprach N. S. Chruschtschow in seinem für uns alle denkwürdigen Schlußwort auf dem 22. Parteitag: »Es ist unsere Pflicht, derartige Angelegenheiten, die mit dem Mißbrauch der Macht zusammenhängen, sorgfältig und allseitig zu klären. Die Zeit wird kommen, da auch wir sterben, denn wir alle sind sterblich. Aber solange wir arbeiten, können und müssen wir vieles klarstellen und der Partei und dem Volk die Wahrheit sagen . . . Dies muß getan werden, damit sich derartige Erscheinungen niemals mehr wiederholen.« »Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch« ist nicht nur ein Dokument im Sinne von Memoiren, hier liegen nicht nur Aufzeichnungen vor oder Erinnerungen an persönliche Erlebnisse des Autors, obwohl nur das persönlich Erlebte dieser Erzählung eine derartige Glaubwürdigkeit und Echtheit verleihen konnte. Es ist auch ein Kunstwerk, und gerade kraft der künstlerischen
5