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Meiner Mutter verdanken die
SOS-Kinderdörfer
ihr Entstehen
Meine Mutter starb, als ich fünf Jahre alt war. Ich kann mich nur noch dunkel an sie erinnern. Doch ich glaube, daß ihr Einfluß auf die Bildung meiner Seele überaus groß war. Sie war eine gute Frau und eine noch bessere Mutter. Einmal, als meine älteren Geschwister etwas angestellt hatten, rief sie uns in der großen Bauernstube zusammen. Sie saß auf einem klobigen Stuhl. Lieb, verzeihend, gütig klangen ihre Worte. Damals - das spürte ich schon als Kind - blieb bei uns allen kein Zweifel darüber, daß das, was geschehen war, nie wieder vorkommen durfte. Aber auch, daß meine Mutter schon verziehen hatte, fühlten wir. Nach der Geburt ihres neunten Kindes, meines Bruders Anton, wurde meine Mutter schwer krank. Einige Stunden vor ihrem Tod holte man uns Geschwister an ihr Sterbebett. Mein Vater war bei ihr. Aber er ging sogleich hinaus. Wir sollten seinen Schmerz nicht sehen. Meine größeren Geschwister haben geweint. Wir Kleineren wußten noch nicht, was der Tod ist. Meine Mutter sagte: „Bleibt gut, Kinder!" Dann schob uns die Krankenpflegerin der Reihe nach zur Tür hinaus. Von dieser Stunde an sah ich meine Mutter nicht mehr. Aber in meiner Erinnerung lebt sie für immer fort. Was sie uns gelehrt und vorgelebt hat, wiegt mehr als die Lehren und Schulen meines Lebens.
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