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FRANZ LISZT, EINE FAUST-SYMPHONIE
Immer mehr erkennen die deutschen Musiker und JWusikfreunde, daß ihnen in Eulenburgs kiöinen Orchester-Partituren ein musikalisches Bildungsmittel ersten Ranges gegeben worden ist. Schon kann sich die jüngere Generation gar keine Vorstellung mehr davon machen, wie schwer es vor noch nicht zu langer Zeil war, Partituren von Brahms oder Bruckner, von Liszt oder Strauß, ja selbst Von den Klassikern und Romantikern in Ruhe zu studieren oder gar zu besitzen. Denn zum Besitz gehörte schon ein leidliches Vermögen, und das Entleihen war selten genug möglich. Jetzt besitzen nicht nur die Musiker, sondern auch die Konzertbesucher eine Menge ihrer Lieblingswerke in klarer, vollständiger Partitur und sind dadurch einer großen Anzahl von Kunstwerken erst wirklich nahe gekommen.
In einer solchen Sammlung der Meisterwerke der symphonischen Literatur durfte die Faust - Symphonie von Franz Liszt nicht länger fehlen.
Vom Verlage aufgefordert, dieser neuen Ausgabe einige Geleit- und Einführungsworte mit auf den Weg zu geben, will ich zunächst daran erinnern, daß Franz Liszt seine schon länger geplante Faust-Symphonie im Jahre 1854 schrieb, dann 1857 noch den Schlußchor zufügte und das ganze Werk nach dem Manuskript zum ersten Male am
5. September 1857 in Weimar bei den Festlichkeiten zur Enthüllung des Ooethe-Schiller-Denkmals selbst dirigierte.
Die vorliegende Partitur unterscheidet sich von der bisherigen gedruckten Ausgabe dadurch, daß am Schlüsse des „Gretchen"-Salzes zwölf Takte eingefügt sind. Diese zwölf Takte (8. 159, Takt 1 bis 12) finden sich in den gesammelten Briefen Liszts (Breitkopf & Härtel, 1893) im 2. Bande, Seite 303. Liszt teih sie am 11. Dezember 1880 aus Rom an Dr. Friedrich Stade in Leipzig mit, dem er schreibt: „Ich füge 10 Takte (am Schluß) bei, welche auch fürder in der Partitur und meinen Arrangements der Faust-Symphonie eingeschaltet werden, sollen."
Die bisher voriiegende Partitur enthält diese Takte nicht, ich habe sie auch z. B. in Karlsruhe erst für meine Aufführung im Jahre 1908 nachtragen lassen. Vermutlich ist außer in Leipzig, wo der Empfänger jenes Lisztschen Briefes ja Sekretär der Gewandhaus-Konzert-Direktion ist, die Anordnung Liszts nur sehr selten beachtet worden.
Auch Theodor Müller-Reuter erwähnt in seinem ausgezeichneten Lexikon der deutschen Konzert - Literatur (Leipzig, C. F. Kahnt Nachf. 1909), das sonst wenig bekannte Quellen gründlich benutzt, diese Ergänzungstakte nicht. Möge der
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