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Sylvia Holl erwachte jäh. Aber noch in der Sekunde des Zusich-kommens sah sie den Traum der vergangenen Nacht klar vor sich-dann schlug sie die Augen auf, und alles verschwand.Die Sonne schien warm und hell durch die goldfarbenen Seidenvorhänge.Aus dem Bad, das ihren Schlafraum mit dem ihres Mannes verband, ertönte das Brausen der Dusche, das sie, wie jeden Morgen, geweckt hatte. Sylvia Holl brauchte nur die Augen zu schließen, um Georg Holl vor sich zu sehen, wie er Bäche heißen und eiskalten Wassers auf seinen massigen weißen Körper herabprasseln ließ, das nasse Haar im Gesicht, prustend wie ein Seehund. Dann wurden diie Hähne zugedreht, sie hörte das Tappen nasser Füße auf den Fliesen und dann - nichts mehr. Georg Holl hatte sich in sein Ankleidezimmer zurückgezogen.Sylvia wußte, daß sie jetzt und in diesem Moment aufstehen mußte, wenn sie mit ihrem Mann frühstücken wollte. Sie tat es nicht. Schon seit langem nicht mehr.Sie hörte, wie Valentin, ihr Sohn, sein Auto aus der Garage fuhr. Er ließ, sinnlos und völlig überflüssig, den Motor aufheulen -wahrscheinlich nur, um seiner Freude Ausdruck zu geben. Vielleicht aber war dieses Aufheulen auch Zorn? Protest?Sylvia wußte es nicht. Es hatte gar keinen Zweck, darüber nachzugrübeln, sie würde es nie ergründen. Valentin und seine Schwester waren ihr entglitten - trotz aller Liebe, die sie für die beiden empfand. Sie hatten sich von ihr gelöst, unmerklich, aber unaufhaltsam. Sie waren im vorigen Monat achtzehn Jahre alt geworden, erwachsener, als sie es selbst in diesem Alter gewesen war, obwohl sie damals schon mit Georg Holl verheiratet gewesen war. Barbara und Valentin, so grundverschieden, und doch in einem einig - sie brauchten die Mutter nicht mehr.Den Vater vielleicht. Denn er war es schließlich, der sie mit Geld versorgte, in dessen Macht es stand, ihnen ihre Wünsche zu