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Prolog JÄGER UND GEJAGTER
Zehn vor Mitternacht: ein frommer Freitag im Mai. Feiner Flußnebel lag über dem Marktplatz. Bonn glich einer Stadt auf dem Balkan, schmutzig und geheimnisvoll, überzogen mit Straßenbahndrähten. Bonn glich einem dunklen Haus, in dem jemand gestorben war, einem mit katholischem Schwarz drapierten und von Polizisten bewachten Haus. Ihre Ledermäntel glänzten im Licht der Straßenlampen, die schwarzen Fahnen schwebten über ihnen wie Vögel. Es schien, daß alle außer ihnen den Alarm gehört hatten und geflüchtet waren. Hin und wieder flitzte ein Auto, hastete ein Fußgänger vorüber, und wie Kielwasser folgte ihnen die Stille. Eine Straßenbahn klingelte, aber in der Feme. Im Lebensmittelgeschäft kündete ein handgeschriebenes Schild auf einer P)rramide aus Büchsen den Notstand an: »Jetzt Vorrat a^egen!« Zwischen den Krümeln proklamierten Marzi-panschweinchen, die nackten Mäusen glichen, den vergessenen heiligen Tag.
Nur die Plakate sprachen. Von Bäumen und Straßenlampen kämpften sie ihren vergeblichen Kampf, jedes in derselben Höhe, als wäre das Vorschrift; sie waren in leuchtenden Farben gedruckt, auf Hartfaserplatten aufgezogen, mit dünnen Streifen schwarzen Fahnentuchs drapiert; und sie stürzten auf ihn ein, während er vorbeihastete. »Schickt die Fremdarbeiter heim!« - »Schafft uns die Hure Borm vom Hals!« - »Erst Deutschland vereinigen - dann Europa!« Und darüber war das größte Plakat als riesiges Transparent quer über die Straße gespannt: