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Das drittemal ging Robert zum Hydranten und schüttete sich einen Eimer Wasser über den Kopf. Er beneidete Marschke, der bei fünfundzwanzig Grad im Schatten nicht einmal die schwarze Zimmermannsweste auszog, die streifte er höchstens ab, wenn die Perlmuttknöpfe oder die silberne Uhrkette in Gefahr gerieten. Die Kette und die Uhr daran waren berühmt. Die Kette sollte hundert Jahre alt sein; Marschkes Großvater, der auch Zimmermann gewesen war, hatte sie auf seiner Wanderschaft in Dänemark von einem Trödler erworben, und der wieder hatte sie von einem Mann ^
gekauft, dessen Vorfahren Seeräuber waren. So jedenfalls erzählte Hermann Marschke. Weniger weit zurück reichte die Geschichte der Uhr. Die hatte den Soldaten Marschke' vor dem Tode bewahrt, an ihrem Nickelgehäuse war im letzten Krieg eine Kugel abgeprallt und in den Unterarm gedrungen statt in den Bauch, die Uhr aber war nicht einmal stehengeblieben
Unter dem kalten Wasserguß ging Robert ein Lied durch ||
den Kopf: Ohne Wasser, merkt euch das, wär' unsre Welt ein leeres Faß. Er füllte noch einen Eimer.
Als er sich tropfend und prustend aufrichtete, sah er an der Lücke im Bauzaun das Mädchen. Der Fotoapparat an ih- »•
rem Hals deutete darauf hin, daß sie in dieser Stadt nicht zu Hause war. Sie hatte genaugenommen schon die Baustelle betreten, obwohl doch Marschke das Schild „Betreten verboten" an den Zaun genagelt hatte und er, Robert, es mit frischer Farbe hatte nachmalen müssen, damit es von keinem übersehen werde. „Mach das bloß anständig", hatte ^
Marschke gesagt, „kannst du dir vorstellen, was passiert, wenn sich hier so ein neugieriger Gentleman das Bein bricht oder sonstige Gräten?" ^
Das Mädchen aber hatte das Schild nicht beachtet. Anscheinend war sie vom Anblick der Kommode gefesselt. Kommode, das war früher die Königliche Bibliothek, seit über zwanzig Jahren eine ausgebrannte Ruine und im Au- ^
genblick eine Baustelle. Eigentlich existierte von dem Ge- H
bäude nur noch die rußgeschwärzte Fassade. Die Sandstein-