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Er stand vor dem Spiegel und betrachtete sein Gegenüber. Was er vor sich sah, hatte man noch am Abend vorher einen schmukken Leutnant genannt. Über Nacht war der graue Rock mit den bunten Ordensbándern Vergangenheit, der Akteur der Weltgeschichte Statist der Zeitgeschichte geworden. Was jetzt der Spiegel wiedergab, war nur noch eine Erinnerung, eine von Melancholie umwitterte Erinnerung an jenes 19. Jahrhuhdert, das just an diesem Morgen zu Ende ging. Es war der Morgen des 9. November 1918. Der Leutnant schnallte den Sábel ab und legte ihn aufs Bett neben die Schirmmütze mit dem eleganten seitlichen Kniff im oberen Rand. Seit wann eigentlich trugen Mánner eine Waffe an der Seite? Schon die Helden Homers hatten mit Schwertern gekámpft* Das Schwert hatte die Schlachten von Marathon und Chaironeia entsdiieden. Die Légionén waren das Schwert Roms. Das Schwert war die Waffe der Legionáre. Zur Éhre Gottes wurden die Schwerter der Kreuzritter, zu Ehren Allahs die krummen Sábel der Türkén, zu Ehren des Allerchristlichsten Königs die eleganten Degen der Kavaliere geschwungen. Zu den Insignien des Heiligen Römischen Reiches gehörte, neben Krone und Reichsapfel, das Schwert. Durch lange Zeiten hindurch war das Schwert zugleich auch das Handwerkszeug des Henkers. Sogar die Ritter Japans, die Samurai, vollzogen Hinrichtungen an Feinden mit dem einen ihrer beiden Schwerter. Der Leutnant selbst hatte in vier Jahren Krieg keinen Gebrauch von seiner Waffe machen können. Andere Methoden des Nahkampfes waren in Mode gekommen. Nur einmal war der Sábel für ihn von Nutzen gewesen, ohne dafi er ihn überhaupt hatte ziehen müssen. Das war, als er, schon Kompanieführer, mitten im Krieg sein Abitur machte. Keine noch so grofie Lücke in der Kenntnis der unregelmáfiigen griechischen Verben, welche nicht durch den Sábel an seiner Seite kompensiert worden wáre! Dem Studienrat, der eine Frage stellte, welche der Prüfling nicht beantworten konnte, furchtlos, den Sábelgriff fester fassend, ins Auge zu blik-