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EIN SCHIFF FÄHRT DURCHS GEBIRGE
D.
fort, wo die Elbe uns zum heimatlichen Strome wird, hat sie schon 550 Kilometer ihres Weges hinter sich. Das tschechoslowakische Nachbarland nährte sie mit allen Zuflüssen eines Gebietes, das dreimal so groß ist wie Sachsen. Längst ist sie tief genug, große Schiffslasten zu tragen, und breit genug, daß die langen Schleppzüge mit Kohle und Salpeter, mit Zucker und Getreide einander ausweichen können. Steilauf fliehen hier die Hänge zur Rechten und Linken. Bemooste Blöcke verlieren sich zwischen Fichtenstämmen. Graue Sandsteinschroffen durchbrechen die Waldfinsternis, bis der Fels in geschlossener Phalanx die Wipfel übertrumpft. Er schränkt den Himmel ein und muß dennoch das Tal der Sonne freigeben. Die Elbe freut sich des Siegs und lächelt ziirüclt. Über Stock und Stein abwärts kletternd, sehe ich unter mir Schmilka am anderen Ufer. In der Waldschlucht hat sich die Elbe einen schmalen Ufersaum geschaffen, auf dem sich bunte Häuschen reihen. Den Rücken mit derbem Zaunwerk gegen Steinschlag gedeckt, spiegeln sie sich mit blanken Augen im Wasser. Das weißblinkende Spindelchen dort ist der Dampfer. Der fortwährend wachsende Schwärm der Wartenden nimmt sich im Grün dos Wiesenplanes wie eine Traube von Farbtupfen aus. Ich vrill mich als einer ihresgleichen unter die Passagiere mischen, denen die Elbe vor allem eine gefahrlose Promenadenstraße für ihr Schiff ist. Hat sie Launen? Der Kapitän mag es wissen. Uns gehen die Strohwische, die an langen Stangen in der Strömung vibrieren, nichts an. Der Schwimmbagger mit seiner roten Warnflagge, die Pendelfähre am Gierseil werden höflich Platz machen, ohne daß die „Einheit" auch bloß „tuuht!" zu sagen braucht. Sie ist ein Fahrgastschiff — und just für Gäste ist dies Land mitsamt der Elbe da . . .
Drei Mann der Besatzung haben ausgereicht, den Ansturm zu zerbröseln. Leidenschaftslos regulierten sie das vor Aufregung, Neugier und Übermut zappelnde Getriebe der Passagiere. Ich erwischte sogar noch ein Klappstühlchen! Ich fand sogar noch einen Platz auf dem Vorderdeck, direkt am Sperrseil, das dort das Bugdreieck abriegelt. Ein Schwärm ausgelassener Burschen und Madchen in blauen Hemden und Windblusen machte sich neben und hinter mir spatzenvergnügt die besten Plätze streitig. Ich war zufrieden, — und nun erwachte auch mein Interesse für das Los der übrigen Reisegesellschaft. Einer der Jungen nahm bereitwillig meinen Sitz in Obhut. Bis Rathen halte er ihn mir, versicherte er, ich möge mir getrost Zeit lassen.
An eine Promenade war auf diesem Promenadendeck allerdings nicht zu denken.LInaufhörlich „Gestatten", „Verzeihung", „Bitte" und „Danke" murmelnd, setzte ich mich über Kinder und Rucksäcke