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VORWORT
Gegenstand dieser Biographie ist eine Frau, die sich weigerte, sich ihrem Stand gemäß zu verhalten. Mit beachtUchem Selbstbewußtsein erstrebte und erreichte sie jenes Ziel, das erst die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts mit ihrem Schlagwort »Selbstverwirklichung« formuherte.
Sie spielte keine der Rollen, die ihr Tradition und Umwelt zuerteilten: nicht die Rolle der Hebend-ergebenen Ehefrau, nicht die Rolle der Familienmutter, nicht die Rolle der ersten Repräsentationsfigur eines Riesenreiches. Sie pochte auf ihr Recht als Individuum - und setzte dieses Recht durch. Daß diese ihre »Selbstverwirklichung« nicht zu ihrem Glück führte, macht die Tragik ihrer Lebensgeschichte aus - ganz abgesehen von den Tragödien im engsten Familienkreis, die sie durch ihre Verweigerung auslöste. Elisabeth, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen (um hier nur die wichtigsten Würden anzuführen) war im Herzen Republikanerin, bezeichnete die altehrwürdige Monarchie als »vergang'ner Pracht Skelett« und als Eichbaum, der fallen müsse, da er »sich überlebt« habe (S. 481). Sie geißelte die Auswüchse des aristokratischen Systems, verhöhnte Könige und Fürsten, so wie sie es von ihrem verehrten Vorbild und »Meister« Heinrich Heine gelernt hatte.
»Klassenbewußtsein« war ihr fremd, und zwar in solchem Ausmaß, daß die Person der Kaiserin-Königin am Wiener Hof schließlich als Fremdkörper und als Provokation für die nach den althergebrachten Regeln lebende Hofgesellschaft wirkte - und diese Wirkung beabsichtigte Elisabeth.
Einerseits stellt Kaiserin Elisabeth als Anhängerin demokratischer Ideen eine Besonderheit (ja ein Kuriosum) dar, andererseits zeigt sich gerade am Beispiel ihrer Person die Macht der antimonarchischen Ideen im späten 19. Jahrhundert. Diese Ideen machten keinen Halt vor den Fürsten, die nun an der Rechtmäßigkeit ihrer (ererbten und nicht erworbenen) elitären Stellung zu zweifeln begannen. Die Bemerkung, die Graf Alexander Hübner am 18. 11.