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Vorwort
Der praktizierende Kinderpsychologe weiß, wie schwer es heute den Familien fällt, ihren Erziehungsauftrag zu erfüllen. Gerade besorgte Eltern werden vor allem durch das überreiche Tagesangebot erfahrungswissenschaftlich oft nicht erprobter Lern- und Erziehungshilfen schwer verunsichert. Sie wissen oft nicht mehr, was sie im Widerstreit theoretischer und ideologischer Meinungen sinnvoll mit den Kindern tun sollen, um sie auf eine gewiß nicht leichte Zukunft vorzubereiten.
In den letzten Jahren werden sehr alte gesellschaftspolitische Strömungen sichtbar, die wir in ihrer überholten Ideologie bis in die Aufklärung zurückverfolgen können. Ihre Vertreter lehnen wie damals die Familie als Erziehungsraum weitgehend ab. Die Psychologie mit ihren Hilfswissenschaften kann jedoch aus einem großen Reichtum unmittelbarer Erfahrung nachweisen, daß gerade für das Kleinkind die Familie unersetzbar ist. Es gibt keinen gleichwertigen Ersatz für die "Institution Familie". Die Familie ist jener Ort, wo die Entscheidung für oder gegen eine humane Gesellschaft und für oder gegen einen demokratischen Staat fällt.
Es waren daher nicht zuletzt gesellschafts- und bildungspolitische Überlegungen, die uns veranlaß-ten, ein Modell praxisnaher Elternbildung zu entwickeln. Unser Ziel ist Familienhilfe, ist Entwicklung von Toleranz, Partnerschaft und Gemeinschaft in Familie und Gesellschaft.
In unserer Eltern-Kind-Arbeit fassen wir Eltern mit Kleinkindern aller sozialer Gruppen zusammen. Die offenbar elementaren zwischenmenschlichen Prozesse, die dabei in einem Zueinander, Miteinander und Füreinander auftreten, lassen die sonst
beklagten Verständigungsschwierigkeiten wegen unterschiedlicher Schul- und Ausbildung der erwachsenen Teilnehmer nicht aufkommen. Wir schaffen dadurch im besonderen Maße die Voraussetzungen für die Erreichung unseres Ziels.
Ganz besonders möchten wir hervorheben, daß diese Art der Eltern-Kind-Arbeit in der bewährten Gruppengröße von etwa 10-12 Personen mit Vorschule oder Vorschulklassen nichts gemein hat. Der Gruppenleiter ist keinem "Curriculum" unterworfen, er steht nicht unter Zeit- und Stoffdruck von "Lernsequenzen", er braucht auch nicht testen und fortlaufende "Erfolgskontrollen" durchführen Der Gruppenleiter verfügt methodisch und inhaltlich über den Freiraum, auf den eine schöpferische Pädagogik niemals verzichten kann und darf. Je nach Kenntnisstand und Fähigkeit des Gruppenleiters lassen sich bei dieser Form der Eltern-Kind-Arbeit, die breit gefächert aus dem Erlebnis-und Handlungsbereich des familialen Alltags ihre lebensnahen Inhalte holt, neben der Verwirklichung von Grundsätzen der Normalpädagogik unschwer auch heilpädagogische und psychotherapeutische Akzente setzen. Dies sollte in enger Zusammenarbeit mit Erziehungsberatungsstellen geschehen.
An dieser Stelle sei den Wissenschaftlern und Praktikern, den Eltern und Kindern für das Mittun gedankt. Dank gebührt auch allen unseren Multiplikatoren, in besonderer Weise Frau Ursula Bezdek, Frau Ingrid Egensperger und Frau Marianne Wiedemann, die das Problem der Übertragung des Modells in die Praxis gelöst haben. Ebenso danken wir Bund und Land, die in so großzügiger Weise unsere Arbeit bisher gefördert haben. Dipl. Psych. F. X. Förg