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Engel mit grausamen Händen [antikvár]

Claude Longhy

 
die frage Mit dumpfem, sdiwerem Sdilag fiel die Türe hinter den beiden jungen Leuten ins Sdiloß. Als sie ins Freie traten, umfing sie plötz-lidi der warme Haudi der lauen Naditluft. Das Brausen der Stadt drang nur als fernes Summen an ihr Ohr. Dort feierte man heute, am Vorabend des H.Juli 1919, den Sieg. Die breite Villenstraße von Neuilly aber lag ebenso still und verlassen da wie der dunkle Garten und das stumme Haus, das sie eben verlassen hatten. Als sie in den Wagen stiegen, sagte Germain Ridiard: „Wenn du nett sein willst, so...
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die frage Mit dumpfem, sdiwerem Sdilag fiel die Türe hinter den beiden jungen Leuten ins Sdiloß. Als sie ins Freie traten, umfing sie plötz-lidi der warme Haudi der lauen Naditluft. Das Brausen der Stadt drang nur als fernes Summen an ihr Ohr. Dort feierte man heute, am Vorabend des H.Juli 1919, den Sieg. Die breite Villenstraße von Neuilly aber lag ebenso still und verlassen da wie der dunkle Garten und das stumme Haus, das sie eben verlassen hatten. Als sie in den Wagen stiegen, sagte Germain Ridiard: „Wenn du nett sein willst, so versudie, für den Augenblidi nidit mehr an die Tragödie zu denken, die in diesem Haus von einer einzigen Darstellerin gespielt wird . . . spredien wir jetzt nidit von dieser unseligen Frau!" „Aber . . .", sagte Annabella, von Germain Ridiards Gefühllosigkeit befremdet, „man hat mir immer gesagt, Sie seien Raymonds bester Freund gewesen und hätten ihn sehr geliebt. Und jetzt trauern Sie nidit um ihn, da er vermißt, ja, so gut wie tot ist? Haben Sie kein Mitgefühl für seine Mutter, die sidi mit dieser Tatsadie nidit abfinden kann?" „Idl empfand für Raymond eine freundsdiaftlidie Zuneigung, die nur ganz wenige Mensdien zu verstehen imstande waren, und er war mein liebster Freund. Aber das hat meiner Ansidit nadi nidits mit soldi einer Sdiaustellung des Sdimerzes zu tun und würde sie auch keineswegs entschuldigen. Der Stolz und das Schweigen im Leid sind die einzigen Entschuldigungen für das Leiden." „Die arme Tante Germaine es ist wirklich furchtbar." „Es ist furchtbar, das stimmt, aber die Art, wie sie ihren Schmerz zeigt, kann ich nicht billigen." Er sah Annabella an, deren Lippen sich geöffnet hatten; auf ihrem Gesicht stand Mitleid, aber auch so etwas wie Abscheu. „Und ich denke, ein Mädchen deines Alters sollte davon im Grunde ebenso unangenehm berührt sein wie ich." Er startete den Wagen und spradi weiter, eiie Annabella etwas einwerfen konnte: „Nimm es mir bitte nidit übel, wenn idi dir nun nidit eine kleine Spazierfahrt vorsdilage, um uns durdi den Anblidi der ausgelassenen Menge abzulenken oder auf irgendeinem Platz einen Musettewalzer zu tanzen; du mußt midi entsdiuldigen, idi bringe didi auf dem kürzesten Weg heim, denn idi habe für Volksbelustigungen nun einmal nidits übrig, und heute sdion gar nidit." Annabella lehnte sidi bequem in ihren Sitz zurüdc, stemmte sidi einen Augenblidc hodi, um den Rode glattzustreidien, und fuhr sidi dann mit den Fingern durdi die offenen, mattglänzenden Haare, die ihr bis zu den Sdiultern herabfielen. Ebenso affektiert-spöttisdi wie Ridiard sagte sie: „Sie braudien sidi keineswegs zu entsdiuldigen, mein Lieber, denn das trifft sidi sogar ausgezeidinet: idi habe ebensowenig für Men-sdienmassen übrig, und idi finde es sdieußlidi, wenn auf den Straßen getanzt wird . . Dann wandte sie sidi ihm voll zu: „Im übrigen kann idi es nidit leiden, wenn man midi duzt. Idi sehe nidit ein, warum Sie zu mir du sagen, während idi Sie sage!" Er konnte ein kleines Lädieln nidit unterdrüdcen, sdiien aber verblüfft. „Idl habe didi kennengelernt, als du soo klein warst." „Das weiß idl, aber jetzt bin idi eben nicht mehr soo klein!" Herausfordernd straffte sie den Rücken, so daß ihre kleine Brust hervortrat, und schlug die Beine übereinander. Dann zeigte sie mit einem Finger auf den Ärmel seiner Uniformbluse und sagte: „Die Hauptmannsstreifen, das ist natürlidi auch allerhand . . In ihren Blidc kam unwillkürlidi ein Schimmer von Bewunderung: die Tapferkeit Germain Ridiards, des Freundes ihrer Vettern, war inzwisdien in die Familienlegende eingegangen und flößte sogar Annabella so etwas wie Hodiaditung ein, obwohl die Art des jungen Mannes sie stets reizte. Der kalte, prüfende Blidc, mit dem er sie eben jetzt musterte, der Blidc, mit dem er die Welt und die Dinge in ihr stets betraditete, modite der gleiche sein, mit dem er zum Luflkampf aufgestiegen war: man mußte den Gegner abschießen, oder man wurde selbst abgesdiossen. Sein Teil war das Ab-sdiießen gewesen . . . Er pfiff anerkennend: „Alle Achtung! Sie wenigstens Sie sehen: die Wünsdie Euer

Termékadatok

Cím: Engel mit grausamen Händen [antikvár]
Szerző: Claude Longhy
Kiadó: Europäischer Buchklub
Kötés: Félbőr
Méret: 140 mm x 210 mm
Claude Longhy művei
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