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Vorwort
Entwicklung und Frieden heute
Bundespräsident Johannes Rau
I.
Politik als Vision - noch immer verbinden viele Menschen mit dieser Vorstellung den Namen und das Wirken von Willy Brandt. Eine politische Vision war für Willy Brandt keine weltferne Utopie, sondern politische Fantasie, die über den Tag hinaus weist.
Der Name Willy Brandts bleibt mit bestimmten politischen Einsichten und Veränderungen verbunden. Die Ostpolitik, für die er 1971 in Oslo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, legte einen wichtigen Grundstein für die Überwindung der Spaltung Europas imd der Teilimg Deutschlands. Unter seiner Leitung wurde die Sozialistische Internationale zu einer Organisation mit politischem Gewicht. Als Vorsitzender der Unabhängigen Kommission für Internationale Entwicklungsfragen (Nord-Süd-Kommission) veränderte er die Sichtweise des Nordens und des Westens gegenüber den Ländern des Südens und den Staaten des Ostens imd leitete ein neues Verständnis von Entwicklung ein: Entwicklimgspolitik als vorsorgende Friedenspolitik. Der »Brandt-Report« mit dem Titel »Das Überleben sichern« ist auch heute noch ein Kompendium für verantwortungsbewusstes globales Denken.
Anlass für das vorliegende Buch der Stiftung Entwicklung und Frieden ist der zwanzigste Jahrestag der Übergabe des Berichtes der Nord-Süd-Kommission durch Willy Brandt an den Generalsekretär der Vereinten Nationen am 12. Februar 1980. Bei der Fülle an Literatur über Willy Brandt verstehe ich das Buch nicht lediglich als einen weiteren Versuch, an sein Lebenswerk zu erinnern. Es geht vor allem darum, in die Zukimft zu schauen, auf die großen Herausforderungen der Politik. Willy Brandts Fähigkeit zu politischem Weitblick war mit einem wachen Sinn für strategisches Denken verknüpft. Er wusste, dass es in der Politik keine ewigen Wahrheiten gibt, dass klare Grundsätze aber umso wichti-
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