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Reinhold Grimm - Episches Theater [antikvár]
 
Vorwort Die kritische Frage: Episches Theater?, die einer der Aufsätze dieses Bandes als Übersdirift trägt^, wurde erstmals bereits Ende der zwanziger Jahre gestellt, und zwar von Julius Bab^. Doch es dauerte nicht lange, bis man, mit Walter Benjamin®, auch ohne polemischen Unterton, ganz sachlich und nüchtern zu fragen begann: Was ist das episdie Theater? Beide Haltungen und beide Fragen - Gibt es überhaupt ein solches Theater oder gar Drama?, und wenn ja: Wie ist es zu definieren? - bestimmen im Grunde noch heute die Diskussion. Sie...
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Vorwort Die kritische Frage: Episches Theater?, die einer der Aufsätze dieses Bandes als Übersdirift trägt^, wurde erstmals bereits Ende der zwanziger Jahre gestellt, und zwar von Julius Bab^. Doch es dauerte nicht lange, bis man, mit Walter Benjamin®, auch ohne polemischen Unterton, ganz sachlich und nüchtern zu fragen begann: Was ist das episdie Theater? Beide Haltungen und beide Fragen - Gibt es überhaupt ein solches Theater oder gar Drama?, und wenn ja: Wie ist es zu definieren? - bestimmen im Grunde noch heute die Diskussion. Sie an ausgewählten Beispielen aufzuzeigen, ist der Zweck der vorliegenden Sammlung. Den Anstoß zu dieser ganzen Auseinandersetzung gab, wie bekannt, Bertold Brecht. Er, dessen Bühnenschriften ebensosehr schockierten, wie seine Inszenierungen begeisterten, ist der Vater des modernen epischen Theaters. Er hat den Begriff zwar nicht geprägt, aber er hat ihm (was mehr ist) das bleibende Gepräge verliehen: in der Theorie wie in der Praxis. Daß dabei Widersprüche auftauchen, liegt nicht nur an Brecht und seinem Hang zur Provokation, sondern in der Sache selber. Es war keineswegs eine bloße Rodomontade, wenn der Dichter dem amerikanischen Bühnenbildner Mordecai Gorelik erklärte: »I am the Einstein of the new stage form^.« Es war aber auch keineswegs falsche Bescheidung oder plötzliche Einsicht, wenn er zur selben Zeit - Mitte der dreißiger Jahre - Sätze niederschrieb wie die folgenden: »In stilistischer Hinsicht ist das epische Theater nichts besonders Neues. Mit seinem Ausstellungscharakter und seiner Betonung des Artistischen ist es dem uralten asiatischen Theater verwandt. Lehrhafte Tendenzen zeigte sowohl das mittel-alterlidie Mysterienspiel als auch das klassische spanische und das Jesuiten theater®.« Solche und ähnliche Äußerungen stecken den Bereich ab, den die neunzehn Beiträge unseres Sammelbandes auszumessen sudien. Sie bezeichnen auch dessen Aufbau. Brecht auf der einen Seite, das epische Theater (nunmehr im weitesten Sinn) auf der anderen: beides ist in ihm notwendig zu gleichen Teilen vertreten. Denn erst muß das Neue und Eigenartige, so Befremdende wie Befruchtende bei Bertolt Brecht dargestellt sein, ehe man daran denken kann, andere - seien es zeitgenössische, seien es frühere - Erscheinungsformen des epischen Dramas oder Theaters zu dis- 1. Siehe unten, S. 94 ff. 2. J. Bab, Episches Theater?, in: Die Volksbühne (Berlin), Nr. 3, Juni 1929. 3. Siehe unten, S. 88 ff. 4. Zitiert nadi J. Willett, The Theatre of Bertolt Brecht. A study from eight aspects, London 1959, S. 178. - Schon Jahre vorher hatte der Soziologe Fritz Sternberg erklärt: »Sagen wir's doch ganz ruhig: Episches Theater, das sind Sie, lieber Herr Bredit«; vgl. F. Sternberg, Der Dichter und die Ratio. Erinnerungen an Bertolt Brecht, Göttingen 1963, S. 67. 5. B. Bredit, Schriften zum Theater, Frankfurt a. M. 1957, S. 72.

Termékadatok

Cím: Episches Theater [antikvár]
Szerző: Reinhold Grimm , Ulrich Weisstein Werner Hecht
Kiadó: Kiepenheuer & Witsch
Kötés: Varrott papírkötés
Méret: 150 mm x 230 mm
Reinhold Grimm művei
Ulrich Weisstein művei
Werner Hecht művei
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