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ursprung und anfänge der kunst
„Die Kunst ist lange bildend, eh' sie schön ist, und doch so wahre, groik Kunst, ja oft wahrer und größer als die schöne selbst. Denn in dem Menschen ist eine bildende Natur, die gleich sich tätig beweist, wann seine Existenz gesichert ist. Sobald er nichts zu sorgen und zu fürchten hat, greift der Halbgott, wirksam in seiner Ruhe, umher nach StoflF, ihm seinen Geist einzuhauchen. Und so modelt der Wilde mit abenteuerlichen Zügen, gräßlichen Gestalten, hohen Farben seine Kokos, seine Federn und seinen Körper. Und laßt diese Bildnerei aus den willkürlichsten Formen bestehn, sie wird ohne Gestaltverhältnis zusammenstimmen, denn eine Empfindimg schuf sie zum charakteristischen Ganzen."
Diese Sätze Goethes umreißen nicht nur eine fruchtbare Auffassung von Ursprung und frühem Werden der Kirnst, sondern sie enthalten als Keim einen Begriff der Kirnst, der, entwickelt, durchaus brauchbar ist zu bestimmen, wo Kunst beginnt und wo sie aufhört. Kunst ist danach die Gestaltung eines charakteristischen Ganzen, eines anschauUchen Qiarakters. Solche Qiaraktere erfährt der Mensch jener frühen Zeit kraft einer Veranlagung, die sich in ihm, vielleicht plötzlich, entfaltet, vor allem an jenen Erscheinungen, welche die Religionsgeschichte seit Rudolf Otto als „numinose" bezeichnet. In dieser Gattung von Phänomenen hat sowohl das Religiöse wie das Künsderische seinen Ursprung.
Ein Numen ist zunächst eine indefinible, erscheinende „Macht", deren der „ent-zückte" Mensch in einer bestimmten Erlebnisweise intuitiv gewahr wird. In den großen Bildungen des Himmels und der Erde, zumal in dem großen Tier, von dem und mit dem der Jäger lebt, doch nicht minder in dem von diesen Gewalten „er-