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„Es ist bittér und demütigend zu sehen", be-merkte Charles Darwin 1835 angesichts der Auswirkungen eines grófién Erdbebens in Chile, „wie Werke, die die Menschen so viel Zeit und Mühe gekostet habén, in einer Minute vernichtet werden." Wie Darwin hat die Menschheit zu allén Zeiten immer wieder erfah-ren, dafi „sich die Erde, dieses Symbol der Bestándigkeit, unter unseren Füfien wie eine dünne Kruste auf einer Flüssigkeit bewegt". Denn das gefürchtete Beben der Erde gehört zu den háufigsten Naturkatastrophen.
Innerhalb weniger Augenblicke kann sich die Landschaft, wie die Bilder auf dieser und den folgenden Seiten zeigen, in extremer Weise verándern. In den Jahren 1811 und 1812 wurde durch Erdbeben in Missouri der Lauf des Mississippi verschoben. Und die Folgen für die Bevölkerung können katastrophal sein: 1976 forderten zwei in nur 16 Stunden Abstand einsetzende Erdbeben im chinesischen Tang-schan Hunderttausende von Menschenleben.
Jahrhundertelang habén Wissenschaftler sich bemüht, zu begreifen, welche Rolle diese furchtbare Kraft in der natürlichen Ordnung der Dinge spielt. Doch Erfolg hatten sie erst, als genaue Geráte ihnen ermöglichten, die inneren Bewegungen der Erdkugel zu messen, mit nie gekannter Prázision die Hebung von Gebirgen zu ermitteln und die gröíken Tiefen der Meere zu erforschen. Die Entdeckungen waren ver-blüffend: Ozeane waren imstande, sich zu öff-nen und zu schliefíen, und Kontinente konnten auseinandergerissen und anderswo mit titani-scher Kraft zusammengeschoben werden.
Die zusammengetragenen Beobachtungen enthüllten eine unerwartete Erkenntnis: Die Erde, die man einst für eine feste Kugel aus starrem Material gehalten hatte, ist in Wirklich-keit ein vielschichtiges Gemenge geschmolze-ner und fester Materialien, gepanzert mit sich verdrehenden und verschiebenden Gesteins-platten. Der Mensch klammert sich an die Haut eines Planeten, der noch immer von den ele-mentaren Kráften des Schöpfungsprozesses in rastloser Bewegung gehalten wird.
Dieses Wissen Iáik uns auch die Erdbeben aus neuer Sicht betrachten und hoffen, dafi man sie vorhersagen, überleben und eines Tages viel-leicht sogar kontrollieren kann. Doch heute und wohl noch auf lange Zeit hinaus müssen die Menschen in dem unausweichlichen Bewuík-sein leben, dafi, wie der Historiker Will Durant sagte, „die Zivilisation nur von Gnaden der Natúr existiert, die sich das Recht auf Eingriffe ohne vorherige Warnung vorbehált".
Wie geláhmt vor Entsetzen, das Schlimmste fürchtend, sucht ein junger italienischer Priester nach dem Erdbeben vom 23. November 1980 im Schutt einer Strafíe von Lioni nach einem vermiftten Freund. Dieses Erdbeben tötete 3000 Menschen und machte 300 000 obdachlos. Wenig spater wurde der Freund des Priesters tot aufgefunden.