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VORWORT Xenophons Erinnerungen an Sokrates" sind eines der schönsten Zeugnisse pietatvoller Dankbarkeit des Schülers für den geliebten und verehrten Meister und Lehrer, in ihren Konzeptionen in mancher Hinsicht Eckermanns Goethegespráchen vergleiehbar. Die exakte Forschung hat langst erwiesen, daB der Xenophontische nicht der wahre Sokrates ist, wenngleich die von jenem gezeichnete Gestalt sicher weit mehr historische Züge tragt als das Ideaibiid Platons. Xenophon, der in verhaltnismáBig jungen Jahren dem Sokrateskreise angehörte, dessen Neigung und Begabung, wie sein spateres Leben beweist, durehaus aufs Praktische gerichtet waren, war wahrlich nicht die Persönlichkeit, um aus den okkasionellen Betrachtungen des athenischen Weisen ein philosophisches System zu entwickeln. Was ihn zu Sokrates hinzog, war zweifelsohne nicht so sehr die Lehre als vielmehr die Persönlichkeit des wunderlichen Mannes. Er war ihm, dem um Generationen Jüngeren, ein vertrauter Freund geworden, an dessen Rat Xenophon seine Lebensführung band; er hatte dem SproB eines vornehmen Athener Hauses seine Weltanschauung vermittelt und ihm so viel an allgemeiner Bildung mitgegeben, wie ein weltgewandter Mann in der Zeit der Wende vom fünften zum vierten vorchristlichen Jahrhundert benötigte; und, was mehr ist als das, er hatte das Herz des ihm anvertrauten Jünglings aufgeschlossen für alles, was groB und gut und edel ist, war für diesen in seinem eigenen Handeln Vorbild geworden fürs ganze Leben. Es ist nicht kalte Yerehrung des als überragend anerkannten Geistes, es sind vielmehr Gefühle inniger Liebe