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Kapitel 1
Mein Leben danke ich Tante Salomea; acht Jahre nach der Geburt ihres letzten Kindes, des sechsten, wollten meine Eltern auf keinen Fall noch eines, und hätte meine Tante Salomea Meyer sich nicht so leidenschaftlich für das Ungeborene ins Zeug gelegt, mein Eintritt in dieses Jammertal wäre wohl verhindert worden.
Ich bin in Polen geboren, diesem ewigen Schlachtfeld Europas, so oft gewaltsam geteilt und nie sich des Friedens erfreuend. Die Polen haben einfach Pech, weil ihre Vorfahren, die Sarmatier, als sie aus Asien kamen, um ein Plätzchen an der Sonne zu suchen, den Fehler machten, sich an einem ungeschützten Ort zwischen den beiden Friedensstörern Rußland und Deutschland anzusiedeln.
Polen ist flach, ein Land der Ebenen und der Wälder, durchflössen von wenigen Strömen, die Weichsel bildet seine Hauptader, im Süden wird es von einer schönen Gebirgskette begrenzt. Nirgends kann es mit Sensationen aufwarten. Seine Städte waren zu meiner Zeit altmodisch und bescheiden, denn alle hatten unter den Nachwirkungen von Kriegen und Aufständen zu leiden; die Dörfer waren primitiv, die Straßen schlecht, die Menschen arm.
Ich liebe mein Heimatland, aber nicht als Patriot, nicht als Chauvinist. Aus meinen Erinnerungen geht hervor, wie wenige Jahre meines Lebens ich in Polen zugebracht habe. Doch die Liebe zu Polen ist tief in mir verwurzelt, Politik hat nichts damit zu schaffen, auch nicht die Art, wie meine Landsleute mich behandelt haben; die Wurzeln müssen bis in mein Nervensystem reichen. Alles Polnische hat für mich einen unwiderstehlichen Zauber und weckt Heimweh. Suche ich in meinen Erinnerungen und in meinen Eindrücken nach der Quelle dieses Zaubers, so möchte ich sagen, sie entspringt dem Wahren,
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