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Sie riefkein Einberufungsbefehl. Kein Kommando trieb sie vorwarts. Die Manner und Frauen des österreichischen Widerstandes folgten in der Zeit, in der österreich von der Landkarte gelöscht war, alléin dem Befehl ihres Gewissens. Sie legten, ojt mit dem Einsatz ihres Lebens, Zeugnis ab von dem unbeugsamen Freiheitswillen unseres Volkes. Zugleich leisteten sie jenen eigenen österreichischen Beitrag zur Wiederherstellung der Unabhangigkeit unseres Landes, von dem in der Moskauer Deklaration des Jahres 1943 die Rede ist. [...] Es gibt kein glaubwiirdiges Ja zu der SelbstÜndigkeit unseres Landes ohne ein Bekenntnis zu den Kámpfernfiir einfreies österreich. Bundesprasident Franz Jonas, 1969 an das DÖW Auf den folgenden Seiten dieser Publikation, die Mánnern und Frauen jenes Teiles des österreichischen Widerstandes gegen die Herrschaft des nationalsozialistischen Deutschen Reiches gewidmet ist, den man mangels einer besseren Bezeichnung gerne unter dem etwas summarischen Begriff katholisch-konservativ" vorstellt, sind an die 100 Erinnerungen zusammengefaBt. Es sind Berichte von Mitbürgern, die in damals oft sehr jungen Jahren jener Befehl ihres Gewissens" erreichte und die sich noch in den letzten Jahren und Monaten, ja Tagén, der unter Drohung mit dem Einmarsch der Wehrmacht erfolgten nationalsozialistischen Machtergreifung entgegenstellten. Spater, als Menschen eines von der Welt in Stich gelassenen Landes, wollten sie das anscheinend erfolgte Finis Austriae" nicht zur Kenntnis nehmen. Ich erinnere mich persönlich noch lebhaft an jene Tage! Die StraBen widerhallten von dem Gedröhn fremder Marschrhythmen, begleitet von den anscheinend nicht enden wollenden Heil"-Rufen fanatisierter Nationalsozialisten und ihrer Mitláufer. Ja, man konnte sich damals sehr einsam fühlen. Spater gab der dicke Strich durch den Namen Österreich" auf den Waggons der nunmehrigen Reichsbahn einem jungen Menschen jedesmal einen Stich mitten ins Herz. Man blieb jedoch nicht lange einsam. Gleichgesinnte fanden sich wieder und vereinigten sich zu gemeinsamen Aktionén". Man entdeckte aber auch Menschen, die in anderen Traditionen herangewachsen waren, zu denen aber die Ablehnung des herrschenden Unrechtsstaates und der Wille, daB es wieder ein Österreich geben sollte, Brücken schlug. Seit damals ist nun ein halbes Jahrhundert vergangen. Es gab Krieg, in den viele ziehen muBten. Es gab aber auch schlieBlich jenen - wie der Dichter Gerhard Fritsch schrieb - Frühling aus Feuer und Eis", in dem Österreich wiedererstand. Es kam auch zehn Jahre spater der Tag der vollen Souveránitat unseres Landes, das mit dem Bekenntnis zur immerwáhrenden Neutralitat nach manchen Irrwegen einen festen Standort in der Völkergemeinschaft fand. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in einem AusmaB, von welchem man 1945 nicht zu traumen gewagt hátte, folgte. Er verdeckte und verdeckt, daB die Festigung des geistigen Fundamentes nicht mit der wünsehenswerten Energie und Umsicht erfolgt war wie die ökonomische Konsolidierung.