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Erzählungen 1-2. [antikvár]

Leo N. Tolstoi

 
I. kötet: JA aber sage euch: wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat sdion mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. (Matth. V, 28). Da Spradien die Jün-ger zu ihm: Stehet die Sadie eines Mannes mit seinem Weibe alsó, so ist's nicht gut ehelidi werden. Er sprach zu ihnen: Das Wort fasset nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist. Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe alsó geboren; und sind etlidie verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst...
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I. kötet: JA aber sage euch: wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat sdion mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. (Matth. V, 28). Da Spradien die Jün-ger zu ihm: Stehet die Sadie eines Mannes mit seinem Weibe alsó, so ist's nicht gut ehelidi werden. Er sprach zu ihnen: Das Wort fasset nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist. Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe alsó geboren; und sind etlidie verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten habén, mm des Hiinmelreichs willen. Wer es fassen mag, der fasse es.- (Mattii. XIX, 10—12) i. Es war zu Beginn des Frühlings. Wir waren den zweiten Tag unterwegs. Auf den verschiedenen Stationen stiegen Reisende ein und andere aus. Aber drei fuhren wie ich von der Kopfstation an: eine weder hübsche noch junge, rauchende Frau mit abgespannten Gesiditszügen, die einen Mantel von fast mannlichem Schnitt und eine Mütze trug, ihr Bekannter, ein gespráchiger Herr von etwa vierzig Jahren, gut und modern gekleidet, und noch ein sich abseits haltender Herr, ziemlich klein und noch nicht alt, aber mit offen-bar vorzeitig ergrautem, krausem Haar. Er hatteheftigeBewegun-gen und ungewöhnlich funkelnde Augen von unbestimmter Farbe, die rasch von einem Gegenstand zum anderen wanderten. Er trug einen altén, von einem guten Schneider gearbeiteten Mantel mit Krimmerkragen und eine hohe Krimmermütze. Wenn er seinen Mantel aufknöpfte, gewahrte man darunter eine ármellose Jacke und ein gesticktes, russisches Hemd. Dieser Herr hatte die Eigen-tümlichkeit, dafí er hin und wieder seltsame Laute ausstiefi, die einem Hüsteln oder einem abgebrodienen Lachen glidien. Dieser Herr vermied es wáhrend der ganzen Dauer der Reise sorgfáltig, irgendwelche Beziehung oder Bekanntschaft mit den anderen Passagieren anzuknüpfen. Wenn sich einer seiner Nach-barn an ihn wandte, antwortete er kurz und schroíf, las oder schaute rauchend zum Fenster hinaus, oder er holté sich seinen Proviant aus seiner altén Reisetasche, trank Tee und nahm einen Imbifí. Dabei schien er mir von seiner Einsamkeit bedrückt zu sein, und ich wollte ihn mehrmals anreden. Aber jedesmal, wenn unsere Augen sidi trafen, was háufig gesdiah, da wir uns schrag gegenübersafien, wandte er sich ab, griff zu einem Buch oder sah zum Fenster hinaus. II. kötet: Alles ist still in Moskau. Nur ab und zu hört man das Geráusch von Radern auf den winteriichen Strafien. In den Fenstern sieht man keinen Lichtschein mehr, und die Laternen sind erlosdien. Von den Kirchen kommen die Klánge der Glocken; über die schlummernde Stadt hinschwebend, verkünden sie das Nahen des Morgens. Die Straften sind leer. Hier und da gleitet eine Schlit-tendroschke, deren schmale Kufen den Sand der Strafie mit dem Schnee vermengen, heran und hált an der nádisten Straflenecke, wo der Kutscher alsbald in Erwartung des náchsten Fahrgastes sanfl: einschláft. Ein altes Weib ist unterwegs zur Kirche, wo schon in den goldenen Leuchtern einige wenige, unregelmáfiig verteilte Wachskerzen mit roter Flamme brennen und sich in den Gold-beschlágen der Heiligenbilder spiegeln. Das arbeitende Volk er-hebt sich bereits nach der langen Winternadit, um an sein Tage-werk zu gehen. Bei den vornehmen Leuten aber ist es immer noch Abend. Aus einem der Fenster des Gasthofs Chevalier dringt entgegen der Polizeivorschrift noch heller Lichtschein durch die Láden. Bei der Anfahrt haltén aufíer einer Kutsche einige Schlitten und Droschken, die mit den Hintergestellen dicht zusammengedrángt sind. Audi eine dreispánnige Postkutsche steht da. Der Portier, fest in seinen Pelz vermummt und zusammengekauert, hatte sich hinter einer Ecke des Hauses fast versteckt. ,Was sie blofí immer noch zu schwatzen habén!4 denkt der Kell-ner, der mit müdem Gesicht im Vorzimmer sitzt. ,Und idi muí? auch gerade Nachtdienst habén/ Aus dem anstoftenden, hell erleuchteten Zimmer hört man die Stimmen dreier junger Leute, die dort zu Abend essen. Der eine, ein kleiner, adretter, magerer und háfilicher Mann, sitzt da und blickt mit seinen guten, müden Augen auf den Freund, der im Begriff steht, abzureisen. Der zweite, ein hochgewachsener Mann, liegt auf einem Ruhebett neben dem mit Flaschen besetzten Tisch und spielt mit seinem Uhrschlüssel. Der dritte geht in seineni neuen Halbpelz im Zimmer auf und ab, bleibt zuweilen stehen und knackt mit seinen dicken und kráftigen Fingern mit den wohlgepflegten Nágeln eine Mandel auf. Er láchelt in einem fort; seine Augen und sein Gesicht gliihen. Er spricht mit Temperament

Termékadatok

Cím: Erzählungen 1-2. [antikvár]
Szerző: Leo N. Tolstoi
Kiadó: Vollmer Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 130 mm x 190 mm
Leo N. Tolstoi művei
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