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DIE DREI SCHMIEDE IHRES SCHICKSALS
Quilibet fortunae suae faber est. Alter Schulspruch
Es war in einer Gesellschaft lustiger Männer ein Streit über den altlateinischen Satz ausgebrochen, daß jeder Mensch der Schmied seines Schicksals sei. Einige behaupteten, der Satz wäre echt römisch, und stehe gewiß in diesem oder jenem Werke dieses oder jenes Klassikers; andere sagten, er sei ein neues Machwerk, und schleppe sich erst seit kurzer Zeit durch unsere lateinischen Schulbücher. Aber, wie es geht, von diesem rein historischen Standpunkte, über den sie sich nicht einigen konnten, spielte sich der Streit auf den philosophischen über und entbrannte nun auf das heftigste über die Frage, ob es auch wahr sei, was der Satz enthalte. Man führte nun nicht mehr bloß die Historie in das Feld, sondern suchte der Sache auch a priori beizukommen, indem man die Psychologie, die Logik und Metaphysik aufbot. Man redete über Zusammenhang der Dinge, sittliche Weltordnung, Emanzipation vom Zufalle, Freiheit des Willens, und war auf dem Wege, ins Endlose zu geraten, als plötzlich ein Schalk, der bisher geschwiegen hatte, eine Geschichte zu erzählen anfing, worauf es nach und nach stille ward; denn beide Parteien horchten hin, in der Hoffnung, Gründe für ihre Behauptung aus der Geschichte ziehen zu können. Allein der Mann zog seine Geschichte gerade bis zu dem Punkte, wo sie sich spalten mußte, um der einen oder der andern Partei zu dienen - dann brach er ab und sagte, daß er den Rest morgen erzählen wolle, wenn sie etwa wieder zusammenkämen. Sofort erhob sich ein Lärm über Willkür und Täuschung, und man verlangte, daß er fortfahre. Aber da er hartnäckig bei seinem Ausspruche blieb, so vertagten sie listig den Streit, weil jeder begierig war, wie es nun weitergehen werde, und weil jeder heimlich hoffte, ihm würden die Hilfstruppen aus der Sache zuwachsen.
Allein, da nun die vierundzwanzig Stunden vorübergegangen waren, da sich die Gesellschaft versammelt, und der Mann seine Geschichte beendet hatte, so waren sie so ins Weite verschlagen, daß sie nun über ihren anfänglichen Satz gar nicht mehr stritten, sondern ihn alle plagten, ob die Geschichte wahr sei, wo sie sich zugetragen, wie die Personen geheißen haben, und wären beinahe in den neuen Streit geraten, ob die Geschichte aus Innern Gründen wahr sein könne oder nicht. Der Mann aber lächelte verschmitzt, drehte seinen Ring auf dem Finger, und sagte kein Wort mehr. Die Klügern unter uns merkten, daß er uns am Narrenseile geführt, die-