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25. August 1957 — 19 Uhr
FRANZ JONAS Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien
ZUR ERÖFFNUNG
Am 5. September 1956 begrüßte die Wiener Schuljugend im Großen Konzerthaussaal in einer feierlichen Kundgebung die Delegierten des Parlamentarischen Rates der Europabewegung. Bei diesem Anlaß kündigte ich an, daß die Stadt Wien ein Europa-Institut gründen werde, das vor allem die Lehrer zu Wegbereitern der europäischen Einigung machen soll.
Wir haben Sie, meine Damen und Herren, nach Wien eingeladen, um mit uns die ersten Schritte auf diesem Wege zu tun. Das Seminar „Erziehung zu Europa" halten wir für einen Anfang, den wir mit Hilfe aller gutgesinnten Europäer weiter ausbauen wollen. Wir sind der Meinung, daß der sicherste Weg zu Europa über die Herzen und Hirne der Jugend gehen wird. Die Wegweiser hiezu müssen aber vor allem die europäischen Lehrer und Erzieher sein. Die Schule hat die Aufgabe, die heranwachsende Generation für das Leben vorzubereiten. Sie vermittelt ihr deshalb allgemeines Wissen, sie macht sie aber auch mit allen Problemen bekannt, welche die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Politik stellen. Die Jugend wird durch die Schule in die Kunst und in das Geistesleben eingeführt, lernt ebenso die Notwendigkeiten der hygienischen Lebensführung kennen, wie sie erfreulicherweise auch mit den staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten vertraut gemacht wird. Ist es da nicht selbstverständlich, die Jugend in der Schule auch zu lehren, daß eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart die Einigung Europas ist, daß die Zeit reif ist, dem Worte die Tat folgen zu lassen, um die Hoffnung von vielen Millionen Menschen zu erfüllen?