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ES GESCHAH BEI TAGESANBRUCH
János Pilinsky (geb. 1921)
Gegen zehn Uhr abends entschloß sie sich, doch noch wegzugehen. Sofort stand sie auf, blieb jedoch einen Moment in der Mitte des Zimmers stehen, schlaftrunken und zaudernd, dann setzte sie sich unvermittelt vor den Spiegel und begann sich zu kämmen. Schweigend kleidete sie sich an. Dazwischen beobachtete sie sich, von weitem und kalt, so wie sich die Menschen auf der Straße gegenseitig mustern. Seitdem ihre Mutter gestorben war, hatte sich Esther an eine kühle und einsame Sachlichkeit gewöhnt. Einer der Jungen kam mit dem Auto, um sie abzuholen, doch das Mädchen setzte sich nicht neben ihn. Sie war mißgelaunt.
Sie verzog sich in die entfernteste Ecke des Wagens; von da beobachtete sie den Weg, die lautlos über sie hinwegschwimmenden Lichtkegel und Lampen. Irgendwo auf dem Rosenhügel1 hielten sie an. Hier an diesem Ort war sie das erste Mal. Alles erschien ihr bekannt und unbekannt zugleich. Sie fand den Spiegel im Vorraum und im Zimmer den einladenden Sessel. Sie setzte sich in den Schatten wie in einen wiederkehrenden Schlaf. Eine Stehlampe leuchtete auf die mattgraue Armlehne und auf ihre Hand.
1 Budaer Villenviertel oberhalb der Margaretheninsel.