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EINFÜHRUNGAls Knud Rasmussen, der weltbekannte Erforscher eskimoischer Lebensweise und Überlieferungen, am Ende seiner fünften Thule-Expedition 1924 im alaskischen Hafenort Nome eintraf, fand er hier Angehörige unterschiedlicher Eskimogruppen vom Festland und von den Inseln der Umgebung vor. Sie hatten sich zahlreich versammelt, um die Touristensaison auszunutzen". Touristen im Eskimoland? Das scheint auf den ersten Blick nicht zueinander passen zu wollen. Doch war Nome seit den Goldfunden vom Jahre 1900 eine vielbesuchte Stadt, und so kam Rasmussen in seinem Reisebericht über Zwei Jahre im Schlitten durch unerforschtes Eskimoland" zu einer Feststellung, die für einen Teil der im vorliegenden Band abgebildeten Gegenstände durchaus bedeutungsvoll ist: ,,Die Straßen waren voll von Eskimos, welche umhergingen und Geschäfte machten " Sie stellten Kuriositäten für die Touristen her, allerlei lustige Schnitzereien in Walroßzahn; diese Handfertigkeit brachte dem Schnitzer in den Sommermonaten dreihundert bis vierhundert Dollar ein, so daß er mit dem notwendigsten Bedarf einigermaßen versehen wieder in sein Winterdorf zurückreisen konnte". Diese Worte weisen bereits auf wesentliche Aspekte des bildnerischen Schaffens jenes kleinen Polarvolkes hin: den hohen Rang, welchen die Schnitzkunst seit fernen Zeiten bei ihnen einnimmt, das mit großer Meisterschaft verarbeitete Knochen- und Zahnmaterial - unter dem Oberbegriff Bein" zusammenzufassen - und schließlich auch auf den Umstand, daß Schnitzwerke bereits vor Jahrzehnten nicht allein für den eigenen Bedarf, sondern auch für einen zielgerichteten Verkauf, also als Ware produziert worden sind. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß gegenwärtig zahlreiche Eskimokünstler Alaskas - und aus dieser Region stammen viele unserer Tafelvorlagen -die in den ethnographischen Museen aufbewahrten älteren Schnitzwerke, vor allem die aus archäologischen Funden stammenden Stücke, gar nicht als von Schnitzern" gearbeitet betrachten. Wie D. J. Ray, die wohl kenntnisreichste nordamerikanische Spezialistin auf diesem Gebiet, berichtete, sagen die Eskimo: Früher wurden nur Dinge für den eigenen Gebrauch hergestellt, heute jedoch wird .geschnitzt', und zwar für einen Markt außerhalb der Eskimogemeinschaft." Diese Definition läßt den Eskimoschnitzer, im engeren Sinne als eine Art spezialisierten Handwerker verstanden, erst als solchen gelten, nachdem die Besatzungen der großen Walfangschiffe in den nördlichen Gewässern mit den Eskimo in Austauschbeziehungen getreten waren. In voller Blüte stand die Beinschnitzerei an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Das Wesen der eskimoischen Schnitzerei kann ohne Kenntnis des Entwicklungsstandes der einzigartigen Kultur ihrer Schöpfer nicht voll erfaßt werden. Wer also sind sie, wie und wovon lebten sie, jene Bewohner der Arktis, die eigentlich unter einem SpitznamenV