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Vorwort
Es ist eine Zeitenwende. Der Terror hat am 11. September 2001 gezeigt, dass nicht einmal der stärkste Staat der Welt für die Sicherheit seiner Bürger garantieren kann. Eine Epoche der Unsicherheit beginnt. Mit einem Schlag erscheinen die historischen Konstellationen des Ost-West-Konfliktes und die sich anschließenden Transformationsprozesse wie in einem musealen Licht. Die Stabilität von gestern ist Teil einer untergegangenen Ära.
Es erschien schon seit geraumer Zeit geradezu naiv anzunehmen, es würde alles einfach pragmatisch weitergehen wie bisher. So als müsse man die alte Konstellation nur in Trippelschritten fortentwickeln. NATO-Erweiterung, EU-Erweiterung - dies waren die Verlängerung des alten Ansatzes. Dabei zeigt ein Blick in die Geschichte, dass es in relativ kurzen Abständen immer wieder zu Brüchen und Neuorientierungen gekommen ist. Wieso sollte unsere Gegenwart die erste Ausnahme bilden?
Die Zäsur erscheint aus zwei Gründen tief greifend: So haben die Anschläge die bisherigen Grundlagen unseres sicherheitspolitischen Denkens ausgehebelt. »Abschreckung« war das leitende Prinzip. Beim Gegner wurde ein abwägendes Risikokalkül unterstellt. Dieser Ratio folgt das weltweite Terroristen-Netzwerk heute nicht mehr. Die Erfahrung der Verwundbarkeit wird zum traumatischen Eindruck für die USA, aber auch für die restliche Welt. Dieser neue mentale Stempeldruck wird über Generationen nicht verschwinden. Zum Zweiten kreiert die Verwundbarkeit der modernen Gesellschaft eine wesentliche Herausforderung. Je arbeitsteiliger und differenzierter Gesellschaften sind, desto kleiner können hochorganisierte Gruppen sein, die ganze Regionen beschädigen oder gar lahm legen können. Es bedarf lediglich eines Angriffes gegen einen der zentralen Stränge des Nervensystems moderner Gesellschaften: Verkehr, Energie und Wasserversorgung, Nahrungsmittel, elektronische Datennetze. Da die Terroristen sich mit ihren hochtechnologischen Instrumenten in vielen Ländern eingenistet haben, wird die bisherige Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Sicherheit, zwischen Bedrohung von innen und Bedrohung von außen, aufgehoben. Im Kern geht es um die grundlegende Neuorganisation unserer Sicherheit.
Weltpolitisch ergibt sich ein neues Gespür für die Notwendigkeit, Partner zu haben. Gegen ein hochmodernes, global agierendes Netz des Terrors ist jede Macht auf sich alleine gestellt überfordert. Diese Erkenntnis wird dem europäisch-amerikanischen Verhältnis, dessen Erosionen unübersehbar wurden, eine neue Sinnhaf-tigkeit für alle Beteiligten verleihen. Außerdem wird sich diese transatlantische Gemeinschaft um eine Allianz mit Russland und China bemühen. Die Kulisse eines neuen Gefüges der internationalen Politik wird greifbar.
An dieser Nahtstelle der historischen Entwicklung zieht das Europa-Handbuch eine Bilanz der Integrationsschritte der letzten Jahrzehnte und schafft einen Überblick über die Akteure und Probleme, welche die nahe Zukunft Europas prägen werden. Wichtigstes Ziel ist es jedoch, die Vielfalt und die besondere Art des Zu-