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Der deutsch-amerikanische Maler Lyonel Feininger nannte sich Expressionismus seilest einen Expressionisten, obwohl sein Stil heute nur mit Vorbehalt dem Expressionismus zugerechnet und elier als eine deutsche Sonderform kubistisclier Tendenzen erkannt wird. Ernst Ludwig Kirchner, der als einer der bedeutendsten Meister des deutschen Expressionismus zunehmende internationale Beachtung erfährt, wandte sich dagegen, als »Expressionist« bezeichnet zu werden. Hier zeigt sich ein merkwürdiger Zwiespalt, der zum Teil daher stammt, daß Kirchner, als das Wort Expressionismus in Deutschland puljlik wurde, bereits auf der Höhe seines Schaffens stand, wohingegen Feininger in der Zeit, als der neue Begriff in Deutschland rasch und begeistert aufgegriffen wurde, seine individuelle künstlerische Ausdrucksform eben erst gefunden hatte. Andere Ursachen liegen jedoch tiefer.
Im Unterschied zu festumrissenen Stilhegriffen, -svie etwa Impressionismus vind Kubismus, sind die Definitionsgrenzen dessen, was allgemein unter Expressionismus verstanden wird, selbst in der Fachliteratur fließend und diffus geblieben. Meist wird über den Daumen gepeilt und das Wort einmal in einem engeren, einmal in einem weiteren Sinne, je nach Bedarf, verwendet. Ein Deutscher bringt es gerade noch fertig, die Werke des Kreises um Henri Matisse dem Expressionismus zuzuordnen, ein Franzose versteht normalerweise unter Expressionismus eine schwer zugängliche künstlerische Ausdrucksweise, deren geistiges Territorium jenseits des Rheins beginnt und irgendwo in der nicht näher zu kennzeichnenden Weite des Ostens endet, und die mit ebenso schwer begreiflichen Reminiszenzen an die deutsche Gotik formal und motivisch behaftet ist. Anfangs war dem nicht so, denn die Künstler des europäischen Expressionismus standen in regem geistigen Austausch miteinander. Wenn, wie es gegenwärtig oft geschieht, das Wort Expressionismus lediglich für die deutsche Version einer europäischen Stileinheit verwendet wird, die aber die Franzosen Toulouse-Lautrec und Gauguin, den Holländer van Gogh, den Schweizer Rödler und den Norweger Münch als ihre Väter für sich beansprucht, so drückt sich darin ein Mißverhältnis aus, das auf der jahrzehntelangen Tradition einer Fehlinterpretation beruht.
Noch in »Knaurs Lexikon Moderner Kunst«, erschienen 1933, steht unter dem Stichwort »Expressionismus« zu lesen: »Der Terminus Expressionismus ist deutscher Herkunft. Herwarth Waiden, der Herausgeber der Wochenschrift Der Sturm, prägte ihn 1911.« Das ist ein Irrtiuu, denn der Terminus wird zwar tatsächlich 1911 zum erstenmal in Deutschland
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Karl Schmidt-Rottluff (geb. 1884) Liebespaar. 1 909 Holzschnitt. Schiefler 25