Bővebb ismertető
ZUR EINFÜHRUNG
Der vorliegende Band Europäische Malerei in deut-
schen Galerien< unterrichtet über den öffentlichen
Besitz von Werken, die in den ersten fünf Jahrzehn-
ten unseres Jahrhunderts entstanden sind. Sie ent-
stammen also einer Zeit des Formwandels der Kunst,
die einen radikalen Bruch mit der Renaissancetradi-
tion vollzog und einen neuen Kontinent der Kunst
entdeckte. Diese Bewegung begann schon in den
6oer Jahren des 19. Jahrhunderts, drang zunächst
aber nur schrittweise vor, um dann von 1900 an ei-
nen revolutionären Charakter anzunehmen, der ganz
Europa erfaßte. Unser Buch gibt Aufschluß über
dieses stürmische Zeitalter, über die Werke jener
Kämpfer und Helden, die das geistige Profil des 20.
Jahrhunderts bis heute geprägt haben. Einige Künst-
ler, die als unmittelbare Vorläufer dieser Meister an-
zusprechen sind, wurden hinzugenommen, doch
reicht unser Überblick zeitlich nicht über die Grenze
von 1890 zurück. Ebenso konnte die nachfolgende
Generation, die geistigen Söhne und Enkel der gro-
ßen Neugründer, nicht mehr berücksichtigt werden.
Ihr Schaffen soll in einem späteren Bande Berück-
sichtigung finden.
In der deutschen Bundesrepublik widmen sich heute
über $0 Galerien der Sammlung europäischer Kunst
des 20. Jahrhunderts und bauen sie systematisch aus.
In den meisten Fällen bildet die Moderne eine Son-
derabteilung, die sich einem Grundstock an Werken
alter Meister anschließt, doch existieren auch eine
Anzahl bedeutender Museen, die sich ausschließlich
der Repräsentation moderner Kunst widmen. Für
die meisten der hier aufgeführten Museen ist cha-
rakteristisch, daß sie sich zugleich als Kulturinstitute
mit einem umfassenden Arbeitsprogramm betätigen,
Ausstellungen in- und ausländischer Kunst, Vorträ-
ge und Konzerte veranstalten und über ein ausge-
bautes Führungs- und Bildungswesen für Erwach-
sene und Jugendliche verfügen. Das Vorbild solcher
>lebendiger< Museen hat schon in den 90er Jahren
des vorigen Jahrhunderts Alfred Lichtwark als Di-
rektor der Kunsthalle in Hamburg geschaffen. An-
dere Institute folgten ihm in den ersten drei Jahr-
zehnten unseres Jahrhunderts.
Die große Wende in der Kunst vollzog sich zuerst
in Frankreich, das den anderen Ländern um Jahr-
zehnte vorausging, zunächst ohne Nachfolge zu fin-
den. In Deutschland wurden diese Impulse erst nach
1890 aufgenommen. Für die deutschen Museen gab
die Reise, die der Direktor der Berliner National-
galerie, Hugo von Tschudi, im Jahre 1896 zusam-
men mit dem Maler Max Liebermann nach Paris un-
ternahm, das Signal zum Aufbruch. Tschudi und
Liebermann wurden mit einem Male die Augen für
den französischen Impressionismus als Gipfel euro-
päischer Kunst des 19. Jahrhunderts geöffnet. Tschu-
di stellte daraufhin die Meisterwerke der Pariser
Schule - Bilder von Monet, Manet, Renoir und auch
Cézanne - in den Mittelpunkt der Nationalgalerie,
sehr zum Mißfallen seines kaiserlichen Herrn. Er
blieb jedoch nicht beim Impressionismus stehen, son-
dern förderte, als er später in München die Galerien
leitete, Matisse und den >Blauen Reiten. Damit rück-
te München bald in die vorderste Front der neuen
Bewegung.
Gleichzeitig mit dem Anschluß der deutschen Kunst
an den Pariser >Art Nouveau< - in Deutschland als
>Jugendstil< bezeichnet - erfolgte die Schwenkung
des deutschen Realismus zum Impressionismus. Mit
wachsender Beschleunigung wurden die Entwick-
lungsphasen der Pariser Schule zur Kenntnis genom-
men und ihre Entdeckungen verarbeitet. Mehr und
mehr deutsche Museumsleiter folgten dem Vorbild
Tschudis und wußten ihre Behörden und Mäzene
für den Ankauf von Werken des neuen künstlerischen
Ausdrucks, so sehr diese auch in der Presse umstrit-
ten waren, zu gewinnen.