Bővebb ismertető
Wem gehört 1956?
Paul Lendvai
Die historisciie Einordnung der Ereignisse von 1956 stellte die Weichen für die Schlußphase jener Entwicklung, die zum unblutigen Systemwechsel führte. Das posthume Begräbnis am 16. Juni 1989 auf dem Heldenplatz mit dem sechsten leeren Sarg als Symbol für den vom Time Magazine gekürten »Mann des Jahres 1956«, den unbekannten Freiheitskämpfer, war der Höhepunkt des Konsenses zwischen den demokratischen und den post- bzw. reformkommunistischen Kräften. Dieser Schein der Einheit in Vielfalt - leider war er trügerisch.
Bereits 1990 bei der Verabschiedung des Gesetzes zum Gedenken an die Revolution zerbrach die Fassade. Der Name Imre Nagys wurde aus dem ersten Paragraphen des Gesetzes 1990 gestrichen, und erst im Jahre 1996 hat eine sozialliberale Regierung ein Gesetz zum Gedenken an den hingerichteten Ministerpräsidenten gegen viele Gegenstimmen verabschiedet. Als symbolträchtig wurde von vielen Beobach-tem zum 40. Jahrestag der Revolution die gemeinsame Kranzniederlegung durch den Ministerpräsidenten Gyula Hom und die Tochter des Revolutionspremiers, Erzsébet Nagy, am Grab Imre Nagys angesehen.'
Jede Wahlkampagne bot freilich Gelegenheit für die Begleichung alter und neuer Rechnungen zwischen den Parteien und den diversen Fraktionen. Diese drehten sich in erster Linie um die Rolle der Reformkommunisten im Herbst 1956, mit besonderer Berücksichtigung auch der Schriftsteller und der Intellektuellen, und darüber hinaus um den Charakter der Ereignisse. War es ein Aufstand? Ein nationaler Freiheitskampf? Eine linke Revolution? Gab es damals tatsächlich eine einzigartige nationale Einheit, und wenn ja, wie lange hätte diese gedauert?
»Temetni tudunk!« heißt es kurz und bündig auf Ungarisch, was auf Deutsch etwa so umschrieben werden muß: »Was wir können, ist, Leute zu begraben« oder, anders ausgedrückt, Begräbnisse zu veranstalten. Der politische Totenkult hatte schon in der Monarchie eine wichtige Rolle gespielt - es sei nur an die Heimbringung des nach 46 Jahren des Exils in Turin verstorbenen Revolutionshelden Lajos Kossuth 1894 nach Budapest erinnert. So wurden nach dem feierlichen Abschied vom Imre Nagy vor
ii