Bővebb ismertető
VorwortDieses Buch ist kein allgemeiner Beitrag zur Geschichte,Theorie und Kritik des Expressionismus. Sein Anliegenbesteht vielmehr darin, die Illustrationskunst des deutschenExpressionismus zu beschreiben, näher zu bestimmen unddie gefundenen Werke zu verzeichnen. Die expressio-nistische Literatur-Illustration ist in ihrem Wesen, inihren Besonderheiten und Leistungen bisher von der Wis-senschaft noch nicht dargestellt worden. Dieses Buch un-ternimmt dazu den ersten Versuch.Die Arbeit begann mit dem Suchen und Finden expressio-nistisch illustrierter Bücher in Bibliotheken und Samm-lungen. In der Bibliografie wird das gefundene Materialausgebreitet, es ist nicht vollständig, wie vermutet werdenkann. An den Leser ergeht deshalb die herzliche Bitte, beider Ergänzung für eine eventuelle Nachauflage behilflichzu sein und mir Hinweise auf noch nicht bekanntes Materialzu geben.Gerade die Bibliografie soll die Breite der expressioni-stischen Illustrationskunst demonstrieren. Der Text hin-gegen beschränkt sich auf das Wesentliche und die Würdi-gung jener besonderen und bleibenden Leistungen, die zueinem Bestandteil der deutschen Buchkunst gewordensind. Wenn wir auch Illustrationen in Zeitschriften undselbst grafische Gelegenheitsarbeiten, die unser Themascheinbar nur am Rande treffen, in die Betrachtung einbe-ziehen, dann nicht, weil sich der deutsche Expressionismusals Gruppenbewegung am stärksten und wirksamsten inden Zeitschriften dokumentiert, sondern weil sie sich oftgenug als Übungsfeld für neue Typografie und Illustrationerwiesen und deshalb nicht unbeträchtliche Anregungenfür die Buchkunst gegeben haben. Die Fülle des ausge-breiteten Materials wird vor allem jene überraschen, diebisher die Existenz einer nennenswerten expressionisti-schen Illustrationskunst überhaupt in Abrede gestellt ha-ben. Es versteht sich, daß unsere Untersuchungen nichtauf die Meister des Expressionismus beschränkt werdenkonnten. An der großen Zahl der vom Expressionismusbeeinflußten Illustratoren zeigt sich auch die Breitenwir-kung dieser Kunst verblüffend deutlich: Die Bibliogra-fie nennt 157 Künstler und verzeichnet 380 Werke.Es mag verwundern, daß die expressionistische Literatur-Illustration bis zum heutigen Tage noch keine gründlicheUntersuchung und Würdigung erfahren hat. Die Erklä-rung, Vorurteile konservativer Buchgestalter und typo-grafischer Fetischisten hätten sich über die Jahre hinwegzählebig erhalten, und sie seien der eigentliche Grund fürdie obwaltende Geringschätzung, kann nicht ernst ge-nommen werden. Zumindest überrascht der Widerspruchzwischen der Glorifizierung des Expressionismus durchdie bürgerliche Kunstwissenschaft und der keuschen Zu-rückhaltung derselben Historiker, was die Literatur-Illustration durch eben diese Kunst betrifft. Für die Zu-rückhaltung kann auch die Qualität der Illustrationen nichtverantwortlich gemacht werden, sie bewegt sich nämlichbei den Meistern auf der Niveau-Ebene ihrer anderenKunstwerke auch. Aber der Unterschied zwischen Gemäl-den und grafischen Blättern einerseits und Literatur-Illustration andererseits ist vergleichbar mit jenem zwi-schen der sogenannten freien Kunst und der angewand-ten) Kunst. Die
Kunst des Expressionismus botwillkommenes Material für zweckdienliche, das Wesen derKunst oftmals verdunkelnde Theorien über die Kunstüberhaupt, welche mit dem effektiven Werk der Expressio-nisten nur wenig zu tun haben. Solche Theorien waren ge-eignet, andere - nichtexpressionistische, insbesondere pro-letarisch-revolutionäre und mithin sozialistische - künst-lerische Leistungen abzuwerten. Die Kunstdes Expressionismus war derart nicht auszubeuten, sie er-wies sich von Anbeginn als utilitär, zumindest als prak-tisch gesonnen, da ja selbst in ihren extremsten Äußerun-gen immer einer konkreten Aufgabe - hier der Literaturund dem Buch - verpflichtet. Diese Praktikabilität warzahlreichen Theoretikern schon aus dem Grunde einDorn im Auge, weil sie in ihr Expressionismus-Klischeenicht hineinpaßte. Verschweigen (von ein paar Ausnah-men abgesehen: Kokoschka, Kirchner, Beckmann) schiendas einfachste, die Argumente dafür lieferten ohnehin jenekonservativen Buch-Ästhetiker, die glaubten, Expressio-nismus und Buchkunst vertrügen sich nicht miteinander.Mit diesem Buch wird der Versuch gemacht, das Erbe,das uns der Expressionismus in der Literatur-Illustrationhinterlassen hat, aus dem Geröll der Kunstgeschichte die-ses Jahrhunderts zu bergen, in das es ohne eigenes Ver-schulden und ungerechtfertigt hineingeraten ist. Gleich-zeitig wird es darauf ankommen, diese Illustrationsleistun-gen von den sie überlagernden irrigen Meinungen zu be-freien und sie hineinzustellen in den Traditionszusammen-hang der deutschen Buchkunst, in die die Expressionisteneine neue gestalterische Kraft hineinzutragen die redlicheAbsicht hatten.Mir ist es eine angenehme Pflicht, denen zu danken, diebeim Zustandekommen dieses Buches uneigennützig7