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ES wird sie ebenso der abenteuerliche Inhalt, der lustige Zweck und die mannig- Einführung faltigen Lügen anziehen, die ich in überzeugendem und wahrheitsgetreuem Tone vorgetragen habe, wie die spaßhaften, in allen Erzählungen enthaltenen Anspielungen auf einige alte Dichter, Geschichtsschreiber und Philosophen, die viel Wundersames und Fabelhaftes zusammengeschrieben haben und die ich vermutlich genannt hätte, wenn sie dir nicht beim Lesen deutlich sein würden.»^ So schreibt ein Großer des Altertums, Lukian, in der Einleitung seiner «Wahren Geschichte» zu unserem Gegenstand, im Geiste auch der vorliegenden Schrift, die viel Fabelhaftes zusammenträgt, aber keineswegs die Existenz all des hier Gezeigten glaubhaft machen möchte. Vielmehr geht es darum, an aus einer unübersehbaren Vielfalt gewählten Beispielen einen Eindruck davon zu vermitteln, was sich die menschliche Phantasie ausgedacht und in Bildern gestaltet hat. Nicht über alle Wunderschöpfungen menschlicher Phantasie soll hier berichtet werden, sondern nur über jene, die, wie der Ausdruck «Mischwesen» besagen soll, neue Wesen schafft, von denen einwandfrei gesagt werden kann, daß sie weder «gottgeschaffen», noch natürlich existent sind, sondern allein im menschlichen Kopf gezeugt wurden und durch die menschliche Hand ihre Gestalt erhielten. Wir verstehen also unter einem Mischwesen die Verbindung - meist im Bilde, seltener nur im Wort - wesentlicher Bestandteile oder Eigenschaften verschiedener Lebewesen oder Naturgegebenheiten zu einer neuen Gestalt. Bezeichnend für das Mischwesen ist erstens, daß es als Naturgebilde nicht auftritt, dem Bereich der menschlichen Phantasie angehört und zweitens, daß es in seiner so geschaffenen Form eine organische Wesenheit bildet, einen neuen, im Bilde und in der Phantasie lebensfähigen Typus. In der Kulturgeschichte und im Denken der Völker gibt es zahlreiche solcher Vorstellungen, die die naturgegebenen Formen abwandeln, ganz oder teilweise auswechseln, mischen und isolieren, vergrößern und verkleinern, vergröbern und verfeinern und damit Monstrositäten, synthetische Kreaturen, Abstraktionen, formale und inhaltliche Neuschöpfungen gewinnen, deren Ausgangspunkt zwar im Bereich der sinnlichen Wahrnehmung figürlicher Formen liegt, deren Endprodukt jedoch als nur in der menschlichen Phantasie bestehend, als imaginär anzusehen ist. In dieser Relation von Ausgangspunkt und Endprodukt unterscheiden sich solche Vorstellungen - unsere Mischwesen - von anderen, deren Ausgangspunkt bereits geometrische, abstrakt konstruierte Formen sind, die im Endprodukt nur erweitert erscheinen und damit zu einem nicht mehr realitätsbezogenen, wert- und inhaltsfreien Eigenleben weiterentwickelt wurden. In diesen reinen Abstraktionen gehen alle menschlichen Beziehungen verloren, was bei den zwar phantastischen, aber doch meist in der Natur, d. h. in der Realität, verwurzelten Mischwesen nicht der Fall ist, so daß bei diesen stets erkennbare menschliche Bezüge gegeben sind. Engel und Teufel, Dämonen und gütige Genien, Riesen und Zwerge, feuerspeiende Drachen und heldentragende Flügelrosse, sie alle sind bildgewordene Mischwesen. Es kann nicht deutlich genug betont werden, daß für uns das künstlerische Schaffen alleiniger Mittelpunkt des Interesses sein wird, die Typenbildung der Mischwesen systematisch und historisch umrissen werden soll. Gewiß ist nicht zu übersehen, daß