Bővebb ismertető
zum geleit Dies Buch verdankt seine Entstehung der Leidenschaft eines Photographen, der mit sicherem Instinkt seine Kamera-Bemühungen dort ansetzte, wo es künstlerische Entdeckungen zu machen gab, die ein Höchstmafi zeitgenössischer /lufmerksamkeit beanspruchen düríen. In seiner Vaterstadt Lübeck scheint die sogenannte hohe" Kunst ausentdeckt zu sein: mit Stolz und Liebe wird sie betrachtet, photographiert, wissenschaftlich bearbeitet. Der Memling-Hltar im Dom, das berühmteste niederlandische Importstück, verliert an Qlanz zugunsten der einheimischen Leistungen. Die charaktervollen lübeckischen Steinmadonnen des 15. Jahrhunderts habén sich einen Ehrenplatz in der gesamtdeutschen Kunstgeschichte erobert. Man weifi, dafi von Lübeck aus das ganze Ostseegebiet für jahrhunderte sein künstlerisches Geprage erhielt und Stockholms Wahrzeichen, die gewaltige St. Jürgengruppe in der Nicolaikirche, dem Lübecker Bildschnitzer Bernt Notke seine Entstehung verdankt. Ein fast unbeachtetes Dasein dagegen führen immer noch die ausgezeichneten Werke der Kleinmeister und jene kleineren Werke der Grófién, die sich, ihrer dienenden Bestimmung entsprechend, einem höheren Ganzén ein- und unterordnen, unsereVorstellung aber von mittelalterlichem Kunstgeist durch Vielseitigkeit der schöpferischen Phantasie und Kühnheit der Formengebung in ungeahntem Mafie zu bereichern vermögen. Was genau gemeint ist, das ist mit Worten schwer zu umreifien. Das íranzösische drőlerie" ist unübersetzbar und umfafit keineswegs den ganzen Bezirk. 7\uch unser Buchtitel tut es nur andeutend, einzig die Bilder selbst tun es ganz. Die Fabulierlust der Gesellen und Meister, die Erzeugnisse der Laune und des einfachen Schmucktriebs, die schlichte, volkstümliche /Inekdote und die skurrile, gelegentlich gar das Blasphemische streifende Glosse zum Heiligsten, alles das, was gleichsam an den Rand geschnitzt" wurde, ohne gewichtige flbsicht, als reiner Ausdruck schweiíender Gemütskrafte, wollte der Photograph durch bildmafiige Isolierung einer aufmerksam verweilenden Betrachtung zurückgewinnen. Der Text möchte sich auf das Notwendigste beschranken. Gewifi wáre es falsch anzunehmen, all dieses Phantasie- und Schnörkelwerk entstamme bindungsloser Willkür. Nur innerhalb eines festgefügten Weltbildes kann so viel schöpferische Freiheit sich entwickeln, ohne dafi alle diese kühnen Gebilde einander widerstreiten. Toll geht es her, und doch wirken unsichtbar einigend Welt- und Himmelsvorstellungen, die allén gemeinsam sind. Vieles, was uns heute ganz fremd geworden ist, war damals allén Menschen selbstverstandlich vertraut. Es verlangt nach Erklarung und láfit sich erklaren. Trotzdem ware es sinnwidrig, alles erschöpfend und wörtlich ausdeuten zu wollen. Neben formelhaít wiederkehrenden Gesten bei der Darstellung der heiligen Geschichten finden sich die überraschendsten persönlichen Züge, neben Illustrationen von Yolkssagen und Resten mythologischer Vorstellungen der