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Wassily Kandinsky ist heute bereits Geschichte, wenn auch lebendige. Sein Patmos erlebte er 1910, aber daß er es vermochte, die späteren Erkenntnisse und Erfahrungen im Einklang mit dem Erlebnis von damals zu entwickeln, macht die Größe seines Werkes aus. Kandinsky blieb von 1910 bis zu seinem Tode im Dezember 1944 derselbe, wenn er auch im Laufe der Jahre einmal mehr auf der Seite der Intuition, ein andermal mehr auf der Seite des Kunstverstandes stand. Das Verbindende blieb in allen Verwandlungen die Annäherung an das Unbedingte. Wie Kandinskys Kunst zu nennen sei, bleibt eine Frage ihrer Wirkungskraft. »Abstrakt« mindert wie »non-objective« das Faktum der Gestaltbildung. Wenn der Maler sich 1938, dem Beispiel jüngerer folgend, entschloß, seine Bilder »konkret« zu nennen, so tat er es, um den Wirklichkeitscharakter seiner bildnerischen Resultate zu unterstreichen. Wirklichkeit aber heißt in der Kunst niemals etwas anderes als das Absolute, augenscheinlich gemacht mit den Mitteln der Zeit.
Es bleibt für viele schwierig, ohne den Gegenstand auszukommen und im ungegenständlichen Bild mehr als eine artistische Leistung zu sehen. Der Vergleich mit der Musik braucht nicht zu überzeugen, denn der Ton wird als Zahl und Wert in einem wahrgenommen, nicht Farbe und Form. Noch nicht. Ob eine Übereinkunft dereinst möglich sei, ist zumindest wahrscheinlich,