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MEINE GELIEBTEN VÖGEL
von annette kolb
SpatK^en
Was soll ich zu den prächdgen, eleganten, stolzen, hochgezüchteten und exklusiven Vögeln dieses Bändchens sagen, die alle nichts von uns wissen wollen, von denen keiner sich je in Gesellschaft eines Spatzen sehen lässt, geschweige denn je mit ihm verkehrt?
Spatzen aber, ein paar Extratouren ausgenommen, von welchen noch die Rede sein wird, Spatzen sind meine Domäne geblieben. Dreimal - wie im Märchen - gaben sie sich mir kund.
Eines Tages, während eines Pariser Aufenthaltes, ging ich um die Mittagszeit allein die Arkaden des Louvre entlang, als von links unten an der Mauer zwei weitgeöffnete Augen sich so hilferufend auf mich richteten, dass ich erschrocken auf sie zuging. Sie gehörten aber nur einem grossen Spatzen an, der mit ausgebreiteten Flügeln unbeweglich auf dem Steinboden lag.
Was nun erfolgte, war ein lautloser Dialog, der alles andere ausschaltete.
«Bruder Mensch, Bruder Mensch, lass mich nicht zugrunde gehen », schrien diese Augen.
Nein, nein!
« Die Katze!» schrien sie entsetzt.
Ich bin ja da. Sie kann dir nichts tun.
«Trag mich fort!»
Unter ihm war ein schmutziger Strohhalm, doch als ich daran rührte, kam ein gebrochener Blick in diese Augen, als gingen sie unter.
Aber Hans im Glück war er fürwahr und die Rettung schon bei der Hand. Nicht bei den Vorübergehenden, die zerstreut und abgelenkt unser nicht achteten. Aber dort an der nahen Säule stand ein Aufseher, nicht zu glauben! Ornithologe in seinen Freistunden, der unendlich behutsam den Vogel aus meinen Händen nahm.
«Das ist kein Strohhalm», sagte er, «sehen Sie den Stacheldraht, der hat ihn aufgespiesst.» Und nun fing er