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Jerusalem, 5. November 1995
Die gewöhnlich völlig verstopfte Straße unter den Fenstern meines Büros ist für diese Zeit der rush hour unheimlich still. In Cafés und Restaurants gähnende Leere. Yitzhak Rabin liegt aufgebahrt, und Israel zieht an seinem Sarg vorbei - ganz Israel, eine endlose, schweigende Schlange, die noch nicht glauben mag, was geschah.
Es ist Sonntagmorgen. Gestern um diese Zeit war Yitzhak Rabin noch am Leben. Am Montagmittag sollte ich den Ministerpräsidenten gemeinsam mit David Horovitz, unserem Chef vom Dienst, für die nächste Titelgeschichte des Jerusalem Report interviewen. Rabins Verhältnis zur jüdischen Diaspora hatte sich in letzter Zeit zugespitzt. Wir und er hielten es für wichtig, die Dinge richtigzustellen, bevor er noch in diesem Monat vor der Generalversammlung des Rates jüdischer Verbände in Boston sprach.
Statt dessen wird sich morgen zu dieser Zeit Rabins Trauergemeinde auf den Weg zum Herzl-Berg machen. Seine Botschaft wird er wie so vieles andere mit sich ins Grab nehmen.
Ich habe Yitzhak Rabin seit 28 Jahren gekannt. Als junger Fallschirmjäger war ich dem damaligen Stabschef im Sechs-Tage-Krieg als Leibwächter zugeteilt, als er die noch rauchenden Schlachtfelder des Sinai in Augenschein nahm. Ich war damals kaum mehr als zwei Jahre im Lande. Diesen Mann mit der unerschütterlichen inneren Ruhe, dem zerfurchten Gesicht, dem Hebräisch der in Israel Geborenen, dem bedächtigen Redefluß und einer Stimme, die Autorität ausstrahlte und Respekt gebot, hatte ich augenblicklich zu meinem Helden erkoren. Er war Israel, er war die neue Generation von Juden - all das, was ich sein wollte. Das ist er gebHeben, bleibt er und wird er immer bleiben.
Ich kann nicht behaupten, ich sei mit Yitzhak Rabin befreundet gewesen. Er hatte wenige Freunde. Aber ich kannte diesen Mann wie nur wenige andere. So wie es mein Schicksal war, ihn zu be-