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Man versteht das Wesen der österreichischen Kunst bis in unsere Tage nicht, wenn man ihren Barock nicht als ein Erbgut eigener Stammesbegabung durch die Jahrhunderte erkennt, so sehr verkörpert sich in dieser kunstvollen Schmucklust immer wieder die sinnenfrohe Lebensfreude des Österreichers. Für das barocke Kunstwesen besaß Österreich alle Vorbedingungen, denn als politisch-religiöse Haltung der Südkultur konnte der Barock nur in den katholischen Ländern gedeihen. Gegen diese Kunstmacht der Gegenreformation vermochte auch die Aufklärung und die Reform in Wien nichts, zumal die aufblühende Kunstakademie als Helfer staatlicher Machtkultur, wohlgeordnet durch den Direktor Füger, die westische Kunstlehre mit höfischem Ansehen verteidigte und durch den französischen Klassizismus tief in das 19. Jahrhundert hineintrug. Wer also die Hochburg dieser Kunst-Internationale angreifen wollte, der mußte zunächst die Wiener Akademie, ihre Kunstanschauung, Manier und Methode angreifen. An solchen Angriffen und Kämpfen hat es seit 1800 nicht gefehlt, denn auch die Kunst hat ihre Kriege, Siege und Niederlagen. Kunstkämpfe sind Geisteskämpfe der Nationen, der Rassenseelen, der Stammessprachen. Kunstgeschichte ist auch eine Kriegsgeschichte, und zuweilen war in der Kunst der nationale Sieg schon entschieden, ehe der politische nachfolgte, oder umgekehrt, die nationale Niederlage schon vor der militärischen deutlich. Die Freiheitskriege der deutschen Kunst sind geschlagen, aber ihre Geschichte ist bis heute nicht geschrieben. Deshalb ist uns auch Waldmüller wieder so wichtig. Um eine Erscheinung wie ihn, seine Kimst, seinen Kampf, seine Bedeutung würdigen zu können, muß man ein wichtiges Kapitel deutsch-österreichischer Kunstgeschichte, die Kriegsgeschichte seiner Vorkämpfer und Mitstreiter, den Kampf um die Akademie, um die Landschaftmalerei und die Seelenkunst kennenlernen, denn in Wien entschied sich ein deutscher Kunstkampf in jener vormärzlichen Zeit vor 1848, die man später nach einer Witzblattfigm: der Münchener „Fliegenden Blätter" die Biedermaierzeit nannte.
In drei Wellen erschienen deutsche Kampfgruppen seit 1806 in Wien, zuerst Dichter und Denker, dann Maler und Zeichner. Die erste Gruppe, Vertreter der politischen Romantik, wie Tieck, Eichendorff, Werner, Müller, Brentano, Baader, half noch der alten Machtkultur des Absolutis-