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FERNSEHEN
ZEITSCHRIFT FÜR TECHNIK UND KULTUR DES GESAMTEN ELEKTRISCHEN FERNSEHWESENS
OFFIZIELLES ORGAN DES ALLGEMEINEN DEUTSCHEN FERNSEHVEREINS E.V.
Herausgegeben von Postrat Dipl.-Ing. Dr. Fritz Banneitz, zugleich verantwortlich für den technischen Inhalt. Verantwortlich für die Vereinsnachrichten: Hans Neuert / für die Anzeigen: Erich Mächler, sämtlich in Berlin. / Verlag Hermann Reckendorf 6. m. b. H., Berlin SW 68 / Zuschriften sind unpersönlich zu richten an die Schriftleitung der Zeitschrift „Fernsehen", Berlin SW 68, Reckendorfhaus, Hedemannsir. 24. Jeder unbefugte Nachdruck, auch auszugsweise, ist verboten und wird gerichtlich verfolgt.
2. JAHRGANG
JANUAR 1931
NUMMER 1
METALLSPIEGEL FÜR BILDZERLEGER
von Dr. W. Friedet
Seit uns fast vor 100 Jahren Justus V. Liebig sein ausgezeichnetes ' Glasversilberungsverfahren geschenkt hat, haben wir es uns abgewöhnt, bei dem Wort Spiegel an etwas anderes als an ein versilbertes Stück Glas zu denken. Und doch haben in früheren Zeiten, seit dem Altertum, Metallspiegel eine große Rolle gespielt, besonders bei wissenschaftlichen Geräten. So verfertigte Newton das erste brauchbare Spiegelteleskop mit einem Metallspiegel aus einer Legierung von 2 Teilen Kupfer und 1 Teil Zinn. Es war also ein Bronzespiegel, wie ihn schon die Ägypter besassen. Auch das berühmte Rossesche Spiegelmetall von Lord Ox-mantown (später Earl of Rosse), der seine eingehenden Studien über das Gießen von Spiegeln 1827 begann, ist eine Bronzelegierung von 68,2% Kupfer und 31,8% Zinn. Als dann 1836 die Glasversilberung aufkam, ließ das Interesse an den Metallspiegeln wesentlich nach, obwohl Glasspiegel mit Oberflächenversilberung, wie sie ja noch heute bei astronomischen Riesenteleskopen verwandt werden, äußerst empfindlich sind und ständig neu versilbert werden müssen.
Bei Fernsehgeräten ist erst in letzter Zeit die Frage der Verwendung von Metallspiegeln akut geworden, insbesondere durch die in Nummer 10 des 1. Jahrganges dieser Zeitschrift von F. v. Olco-licsanyi beschriebene Spiegelschraube. Wo man rückseitig versilberte Glasspiegel
verwenden kann, wird man sie auch fernerhin verwenden, vorausgesetzt daß das von der Glasoberfläche entworfene Nebenbild nicht stört. Aber überall dort, wo hei Fernsehgeräten Glasspiegel mit Oberflächenversilberung verwendet werden müßten, wird man sich nach einem besseren Material umsehen müssen, denn die mühselige Justierarbeit bei der Herstellung einer Spiegelschraube oder eines Weillerschen Rades gestattet es nicht, das ganze Gerät zwecks Nachversilberung auseinander zu nehmen.
Glücklicherweise besitzen wir ein Spie-gelmetall, das sich für Fernsehapparatu-ren vorzüglich eignet, da es, wie wir sehen werden, nicht nur das gleiche Reflexionsvermögen wie ein rückseitig versilberter Glasspiegel im sichtbaren Teil des Spektrums besitzt, sondern auch im Gegensatz zu den Silberspiegeln ein ausgezeichnetes Reflexionsvermögen im Ultraviolett. Selbst wenn man nicht an Bairds Nocto-vision denkt, wird man den bedeutenden Vorzug eines mit solchen Metallspiegeln ausgerüsteten, zum Abtasten von Personen dienenden Weillerschen Rades erkennen, wenn man bedenkt, wie empfindlich die üblichen Fotozellen gerade im kurzwelligen Teil des Spektrums sind. Was nützt aber die beste ultraviolettes Licht aussendende Lichtquelle, wenn ihre ultravioletten Strahlen von den Silberspiegeln des Weillerschen Rades absorbiert werden?