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Eine fast sommerliche Stille lag über der Prárie. Es war Mai. Oran-gerot glánzte der volle Mond über der dunstigen Hitze und über-gofí den Klostergarten mit seinem schimmernden Licht. Heimlich stahl er sich in die Schlafráume von St. Veronica, der Anstalt für höhere Töchter, wo sich die Schülerinnen unruhig im Schlaf wálz-ten und die Decken zurückwarfen, ohne aufzuwachen. In einem der Zimmer stand, tief in den Schatten zwischen Bett und Kleiderschrank gedrückt, Julié Fontaine und knöpfte mit zittern-den Fingern die marineblaue Baumwolluniform über dem Korsett und den Unterkleidern zu.Als sie sich bückte, um die Schnürsenkel zuzubinden, drehte sich auf der anderen Seite des Raumes ihre Zimmerkameradin Eileen Butler seufzend im Bett um. Einen Augenblick lang erstarrte Julié, schlich dann aber, nachdem sie sich überzeugt hatte, dafi Eileen nicht aufgewacht war, zum Fenster und stieg über den Sims auf das Dach der Vorhalle hinaus. Dort hielt sie, den Rücken der Kloster-mauer zugekehrt, kurz inne. Aber aufier den üblichen Geráuschen der Nacht war nichts zu hören. Vorsichtig schob sie sich bis zum Spalier vor, das jetzt dick mit den Blattern und Knospen der frisch erblühten Trichterwinde überzogen war. Das Holz áchzte unter ihrem Gewicht, und ihr Herz hámmerte wie wild, als sie, halb in der Erwartung, eine der Nonnen auftauchen zu sehen, die Füfíe auf den Boden setzte. Aber die Klosterinsassen hatten nichts ge-hört.Julié huschte zum Schuppen des Gártners, ángstlich darauf be-dacht, die mondbeschienenen Pfade zu meiden. Unter den Baum-kronen und der üppig wuchernden Hecke an der hinteren Mauer war es so dunkel, dafí sie die Leiter, die sie hier am Abend kurz vor der Beichte versteckt hatte, kaum wiederfinden konnte. Vorsichtig, um sie nicht umzustofíen, tastete sie danach, bis sie schliefílich