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Verlorenes Paradies?
Vorwort
IM TRAUM, DAS PARADIES NICHT ALS FÜR IMMER verloren aufzugeben, findet die europäische Kunst seit jeher eine ihrer ganz starken Triebfedern. Den Garten Eden wiederfinden, die verlorene Unschuld wiedergewinnen mit den Mitteln der Kunst: Dieser Traum wurde in der europäischen Musik der letzten tausend Jahre vielfach Wirklichkeit, und die styriarte 1998 träumt ihn auch.
Da konnte nun die styriarte-Fibel, die hier in ihrer dritten Ausgabe vorgelegt wird, nicht nachstehen, auch wenn sie anfangs meinte: Das ist doch ein zu großes Thema für ein so kleines Buch. Wir vermochten sie zu überzeugen, daß es gehen könnte, und nun, verehrte Leserin, geschätzter Leser, urteile Du!
Geh' mit uns auf die Reise zu den Quellen abendländischer Paradies-Vorstellung, verfolge ihren Lauf durch helle und dunkle, klare und verschlungene, auch üppige Paradiesgärtlein, die Künstler für sich und uns errichtet haben, riskiere schließlich einen Blick auf weites Meer, auf unsere Gegenwart und Zukunft, wo die starken Metaphern der Schöpfer dieser Paradies-Vor-stellung ungebrochen wirken, auch wenn dort alles in allem verschwimmt.
Vor allem aber: Lass' Dich verführen von unserem kleinen Reiseführer! Er ist keine Schlange, auch wenn er viel von Äpfeln spricht. Sei uns nicht gram, daß er nicht so tut, als würde überall die Sonne scheinen - Du würdest es ohnehin nicht glauben. Bereise die Gärten, die er Dir wahrhaft beschreibt. Du findest nicht das Paradies, aber du findest die Sehnsucht eines heißen Traums!
Mathis Huber