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Dieser lateinische Kalender mit prachtvollem Miniaturenschmuck wurde von dem aus Ungarn stammenden New Yorker Verleger Gabriel Wells 1926 in Paris gekauft. Als sein Geschenk gelangte der Kodex in den^ Besitz des ungarischen Staates und später in die Szechenyi-National-bibliothek, wo er auch heute aufbewahrt wird.1 Über die Handschrift - erworben für einen ziemlich hohen Preis von tausend englischen Pfund - berichtete 1926 der damalige Leiter der Handschriftensammlung, der namhafte Sprachhistoriker Emil Jakubovich. In seiner Studie bezeichnete er den kleinen Band als einen ausgezeichneten neuen Schatz der Bibliothek und charakterisierte ihn als einen „prächtig illuminierten Kalender von der Hand eines flämischen Künstlers aus dem 15. Jahrhundert".2
Dieser Kalender stammt also aus dem südlichen Gebiet der Niederlande, wo im 15. Jahrhundert hervorragende Handschriften mit Miniaturen von internationalem Niveau gefertigt wurden. Zahlreiche vorzügliche Buchmaler waren zu dieser Zeit in Flandern tätig, weil dort die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen zur Entfaltung ihres Talents in besonderem Maße gegeben waren. Das südliche Gebiet der Niederlande gelangte 1384 unter burgundische Herrschaft, als Philipp der Kühne, Herzog von Burgund, Margarete, die Tochter des letzten Grafen von Flandern, Louis II. de Male, heiratete. Während der Herrschaft der burgundischen Dynastie entwickelten sich die flandrischen Städte! zu wichtigen Zentren des Handwerks und des Handels.3 Die burgundischen Herzöge Philipp der Gute (1396-1467) und Karl der Kühne (143 3-1477) unterstützten die Entwicklung des Gewerbes genauso wie die Pflege der Wissenschaften und der Künste.
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