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Freí wie ein Vogel
Es ist eine der ältesten Wunschvorstellungen der Menschen, den Boden zu verlassen und sich in die Luft erheben zu können. Unerreichbar hoch oben siedelte man die Götter an (jede Gedankenverbindung mit „oben" — hoch, aufwärts, Höhe, Spitze — löst in unserem Sprachgebrauch positive Assoziationen aus). Die griechischen Götter wohnten auf dem Olymp, der christliche thronte im Himmel hoch über den Wolken. Mohammed reiste zwischen Jerusalem und Mekka selbstverständlich durch die Luft. Hermes wird mit Flügeln an den Sandalen wie an der Kopfbedeckung dargestellt, die Siegesgöttin Nike erscheint geflügelt wie die Engel auf christlichen Darstellungen.
Dem entspricht, daß es in vielen Kulturkreisen auch Legenden von fliegenden Menschen gibt. Ob es sich nun um einen Chinesen (und späteren Kaiser) namens Sung handelt, um den finnischen Schmied Ilminen, den wir in der Wieland-Sage wiederfinden, oder den bekanntesten der Sagenhelden, Ikarus, immer geht es darum, durch ein selbstgebautes Flügelpaar der Gefangenschaft zu entfliehen. Der fliegende Teppich der Orientalen und die Besenstiele, auf denen die Hexen zum Blocksberg zu reiten pflegten, nehmen sich dagegen recht suspekt aus. Auch der sagenhafte britische König Bladud, der mit Hilfe von metallenen Flügeln gereist sein soll, wird ausdrücklich als Hexenmeister bezeichnet.
Doch um kurz bei Ikarus zu verweilen: Mit seinem Vater Dädalus wurde er von Minos, dem
Fliegende Götter.,
. . . und fliegende
Menschen,
gottgleich
Fliegende Hexen und Hexenmeister