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Erstes Kapitel SOHN DES EMIGRANTEN i Waterloo war geschlagen. Es dauerte geraume Zeit, bis die Nachricht in die äußerste Ecke des Elsaß drang. Hüningen deckte dort den Übergang bei Basel. Die Feste stammte wie Neubreisach und Kehl aus den Tagen, als Ludwig der Vierzehnte sich am Rhein festsetzte. Jetzt wurde sie von zwei Pelotons, einer Handvoll Zöllner und einem Haudegen von Kommandant gehalten. Der Belagerer dieses Barbanegre war Erzherzog Johann. Er sicherte für alle Fälle die Rückzugslinie nadi München, das Millionenheer der...
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Erstes Kapitel SOHN DES EMIGRANTEN i Waterloo war geschlagen. Es dauerte geraume Zeit, bis die Nachricht in die äußerste Ecke des Elsaß drang. Hüningen deckte dort den Übergang bei Basel. Die Feste stammte wie Neubreisach und Kehl aus den Tagen, als Ludwig der Vierzehnte sich am Rhein festsetzte. Jetzt wurde sie von zwei Pelotons, einer Handvoll Zöllner und einem Haudegen von Kommandant gehalten. Der Belagerer dieses Barbanegre war Erzherzog Johann. Er sicherte für alle Fälle die Rückzugslinie nadi München, das Millionenheer der Österreicher und Russen stand tief in Frankreich. Als Hauptquartier diente dem Erzherzog das alte Basel. Es verpflegte überdies sein Heer und lieh ihm Waffenhilfe. Barbanegre hätte mehr als einen Grund gehabt, die Stadt aufs Korn zu nehmen. Mit Mauern, Türmen, Wällen spiegelte sie sich im resedafarbenen Strom. Der Franzose schonte sie und wußte, weshalb er es so hielt: Beliefern mußte sie auch ihn. Wenn dem Baron des Kaiserreiches die Vorräte ausgingen, pochte er mit ein paar trefflich berechneten Kugeln an ein Tor. Die Handelsherren wurden alsbald beim Erzherzog vorstellig, schickten einen Unterhändler nach Hüningen und vernahmen, was dort benötigt wurde, Tuch oder Leder, Brot oder Wein. Sie beschafften es, dann durfte der Erzherzog wieder schießen. Warum auch nicht, man hatte Zeit, und die Entscheidung fiel weit von hier. Der Kaiser also war schon an Bord der englischen Fregatte; doch über Hüningen flatterte seine Fahne noch, im Talwind des Rheines und in einer Buschlandschaft, die an die immergrüne Macchia Korsikas erinnerte. Am stolzesten, empfand der Kommandant, wenn der Wind aus dem Westen kam und die Fahne nach Osten drehte, zum Tal der Wiese, zum Feldberg hin. Dann war er überzeugt, daß die Adler seines Herrn den Schwarzwald noch einmal überflögen. Die Botschaft aus Belgien traf bei Freund und Feind gleichzeitig ein. Der Erzherzog erhielt sie amtlich in richtiger Form, der Baron unter der Hand in falscher, als Kunde von einem Sieg des Korsen. Und beide Männer setzten fest, das Ereignis sei zu feiern. Ein Bote teilte Barban^gre mit, der Geschützdonner, der am nächsten Tag anheben werde, entspringe nicht einer feindlichen Handlung, man begehe nur den Sieg von Belle Alliance und Waterloo. Kurios, mit demselben Sieg habe er es zu tun, erwiderte Bar-ban^gre — wetten, daß einer schlecht unterrichtet sei, nämlich der Herr Gegner? So kam es, daß hüben und drüben am gleichen Tag Viktoria geschossen wurde. Auf deutscher Seite war eine Parade damit verbunden. Von weit und breit zogen die Landleute nach Lörrach am Eingang des Wiesentals. Sie lagerten auf dem Käferholz und schauten zu, wie diesseits die badischen Dragoner Attacke ritten, jenseits aus den Bastionen Vaubans die Pulverschwaden quollen. Es fehlte in der schönen Landschaft etwas, das zu ihr gehörte, die Rebstecken — die Kosaken hatten sie verfeuert. Aber sie ließen sich ersetzen, und man wollte zufrieden sein, Kriegszeit war bestanden. Uber den Baron Don Quichotte in Hüningen lachte man. Der Erzherzog, der den Aufstand in Tirol geleitet hatte, war auch bei den Schweizern volkstümlich, zur Parade kamen viele. Als er am Abend dieses Tages in sein Quartier, den Seidenhof, zurückkehrte, geschah es, daß der eidgenössische Posten das Gewehr, statt es zu präsentieren, bei Fuß ließ und treuherzig sagte: »Guet Nacht, Herr Prinz Hans, und schlafet wohl.« Barban^gre erfuhr schließlich doch, daß er es war, der die Wette verloren hatte, streckte die Waffen und erhielt freien Abzug. Unter denen, die bei klingendem Spiel die Festung verließen, befand sich ein Artilleriekapitän, Vicomte Maslin. Emigrantenkind, russischer Offizier, bei Borodino kriegsgefangen und in Hüningen interniert, hatte er nach dem ersten Sturz des Kaisers bourbonische Dienste genommen, die sich danach in napoleonische verwandelten. Jetzt ließ er in Hüningen ein Bauernmädchen aus dem Badischen mit einem einjährigen Kind zurück, das in den Eihäuten zur Welt gekommen war — mit der Glückshaube, wie die Hebamme verkündete. Daher sein Vater ihm außer dem Vornamen Jacques einen zweiten gegeben hatte: Fortune. Barbara Kestenholz behauptete, Maslin habe gesagt, ein gescheiterter Adliger wie er gehe am besten nach Amerika und mache ein ehrliches Mädchen zu seiner Frau. So wartete sie, aber man hörte nichts mehr von ihm. Sie und der kleine Jakob wären verhungert, wenn sich ihrer nicht ein Lörracher Bürger angenommen hätte, ein ehemaliger Feldscher, der eine beschränkte Erlaubnis zum Doktern besaß und sich seither Chirurgus nannte. Auch er hieß Kestenholz, wußte aber nichts von ihr und mußte lange nachforschen, bis Licht auf die mehr als entfernte Verwandtschaft fiel.

Termékadatok

Cím: Fortunat [antikvár]
Szerző: Otto Flake
Kiadó: Bertelsmann Lesering
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
Méret: 130 mm x 210 mm
Otto Flake művei
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