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VORWORT
In den letzten Jahrzehnten hat die Fotografie in den kunsthistorisch-archäologischen Disziplinen den Rang einer Hilfswissenschaft erreicht. Unentbehrlich ist sie nicht nur für die vergleichende Stilanalyse, sondern auch für technisch-naturwissenschaftliche Untersuchungen an Kunstwerken geworden. Man denke nur an dos Fotografieren von Gemälden im Lichte verschiedener Wellenlängen zum Teil außerhalb des sichtbaren Spektrums und an Luftaufnahmen für archäologische Zwecke.
Auch als Illustration und im Hochschulunterricht wird dem Bild eine zunehmend hohe Bedeutung beigemessen, bricht sich doch mit Recht die Auffassung Bahn, daß durch die fotografische Abbildung das Kunstwerk ähnlich wie durch das gesprochene oder geschriebene Wort gedeutet wird.
Aufschlußreich ist eine Beobachtung, die man beim Durchblättern illustrierter Zeitschriften und Zeitungen gewinnen kann. Die Anzahl der Abbildungen hat in den vergangenen Jahren laufend zugenommen. Heute stehen sie gleichwertig neben dem Text. Bilder lassen sich schneller als ein Kommentar erfassen. Sie werden vom Betrachter, wenn auch nicht immer zu Recht, vorbehaltlos als Dokumente anerkannt.
Die fotografischen Reproduktionen haben in den vergangenen hundert Jahren die kunsthistorischen Anschauungen revolutionierend verändert. Unzählige verstreute Denkmäler alter Kunst wurden allgemein zugänglich und damit erst künstlerisch und kunstwissenschaftlich auswertbar. Entlegene Kunstkreise rückten durch die Fotografie erst in unser Gesichtsfeld, so daß sie sich heute hoher Wertschätzung erfreuen. Hingewiesen sei nur auf die skytische und die altperuanische Kunst.
Wie weit die wissenschaftliche Forschung von der Fotografie abhängig geworden ist, zeigt die Bevorzugung der leicht fotografierbaren Plastik, Architektur und Tafelmalerei in kunstwissenschaftlichen Publikationen. Kunstgattungen, die erst durch den modernen Farbenfilm reproduzierbar geworden sind - mittelalterliche Glasfenster und orientalische Teppiche —, wurden dagegen, ungeachtet ihres künstlerischen Wertes, stark vernachlässigt.
Aus dieser nicht aufzuhaltenden Entwicklung ergibt sich für den Wissenschaftler wie für den Fotografen die Notwendigkeit, die Möglichkeiten und die Grenzen der fotografischen Abbildung genau zu erkennen.
In unserer Zeit kann Aufnahmen von Kunstwerken zum Teil eine unmittelbar praktische Bedeutung beigemessen werden. Beim Wiederaufbau unserer durch den Krieg zerstörten Kulturdenkmäler müssen häufig Fotografien zu Rate gezogen werden, um den einstigen Zustand wieder herzustellen. Der verantwortungsbewußte Architekt wird sich durch frühere Aufnahmen anregen lassen, wenn es darum geht, für eine alte Stadt ihrer Bautradition entsprechende, moderne Gebäude zu errich-