Bővebb ismertető
Der Himmel wölbte sich hoch und klar über dem Tal, nur an seinen Rändern, über fernen Hügeln, segelten Wolken, als fürchteten sie, in dem Hitzeblau dieses Septembers zu verbrennen. Still war es um die Mittagszeit im elsässischen Ingweiler, das Dorf duckte sich mit versperrten Türen und Läden um den trägen Bach. Geranien blühten üppig in den Vorgärten, violette Glockenblüten überwucherten dunkles Fachwerk und hellen Felsbruch. Würdeeine Windbödas Dorf aufwecken, derZwölf-Stunden-Schlag der Glocke im spitzen Kirchturm? Kein Hund schnüffelte über die Straße, nur auf schattigen Fensterbänken räkelten sich schläfrige Katzen. »Nichts hat sich verändert«, flüsterte die alte Frau atemlos. »Gar nichts. Selbstdas Storchennest auf dem Dach des Notars istnoch da.« Nurihre Schritte und die ihrer Enkelin hallten durch die Rottengasse. Sie eilten zum letzten Haus. »Da ist es«, sagte Christine Welsch-Schwarzenburg. »Das ist mein Geburtshaus.« Sie nahm ihren Hut ab, strich sich über das graue Haar. »Soll ich reingehen, Friedel, meinst du wirklich?« »Deswegen sind wir hier, Oma.« »Ja, deswegen - aber nach so vielen Jahren?« Christine zupfte am Rand ihres Florentiners. »Alles wirbelt durcheinander in meinem Kopf. All die lieben Gesichter, die hellen Stimmen, meine ganze Kindheit. Was für ein Jahr haben wir jetzt, Friedele?« »Neunzehnhundertdreiundfünfzig.« »Natürlich. Du wirst bald zwanzig, ich schon fünfundsiebzig. Und es ist genau dreiundsechzig Jahre her, daß ich zum letztenmal hier war.« Sie wandten sich einander zu, die alte Frau und das Mädchen, beide gleich groß, beide mit hellen grauen Augen. »Beim letzten Schlaganfall im März hast du mir versprochen, daß ich mein Elsaß noch mal seh', und mich wieder gesund gemacht.« »Du hast mir beigebracht, daß man Versprechen halten muß.« »Habe ich das?« »Oma, schließ endlich auf, zeig mir, wo du geboren bist.« »Ja. - Nur unsere Läden waren damals grün. Das Rot da, das hab' ich noch nie gemocht. Wie Ochsenblut. So war meiner Schwester Rachel Tür, die sie am liebsten verschlossen hielt. Aber das geschah viel spä- ter. Meinen Eltern war jeder willkommen, ob's ein Bettler war oder der junge Albert Schweitzer. Schau nur Friedel, der Schlüssel, der ist so alt wie das Haus. Was für große Poren das Gußeisen gekriegt hat, und doch ist es ganz glatt.« Friedel nahm den Schlüssel, den ihnen der Bürgermeister überlassen hatte. Sie schloß das Haus auf, das einst Christines Vater gehörte,