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Stierkampf. Lithographie
An der Wende zweier Zeitalter, vom 18. Jahrhundert sich loslösend und an die Spitze des 19. sich stellend, steht der geniale Aragonier Francisco José de Goya y Lucientes, der am 3c. März 1746 in einem entlegenen Provinzdorf als armer Leute Kind zur Welt gekommen war und fast die gleiche Lebenszeit wie Goethe erfüllen sollte. Als Gesamterscheinung vereint er alle charakteristischen Eigenschaften eines der seltenen Malerrevolutionäre der Geschichte in sich und ist von Gegensätzen des Menschlichen und Künstlerischen getragen worden. Beides, von den Phasen der Entwicklung seiner Zeitepoche bestimmt, hat in einem langen Leben den rechten Weg gefunden, um Generationen hindurch befruchtend zu wirken. In einer Zeit, als die glorreiche Tradition der spanischen Malerei des 17. Jahrhunderts bereits abgeklungen war, gelingt es ihm, die Brücke zu schlagen zur festen Überlieferung einer leidenschaftlich erfaßten nationalen Kunst. An Velazquez und Tiepolo geschult, durch die französischen Enzyklopädisten geistig geweckt, bestimmt von einem volkstümlichen Element, das bis ins Greisenalter ihn zu tragen vermochte, ist er als schöpferische Persönlichkeit menschlich und künstlerisch von einer durchaus realistischen Auffassung geleitet worden, die als nationaler Zug und beredtes Zeugnis einer im Geist und in der Tradition Spaniens verwurzelten Kunst angesprochen werden darf. Vor allem ist aber die Ganzheit seines Wesens zunächst auch aus den gesellschaftlichen Verhältnissen seiner Zeit zu begreifen. Ein dekadentes, höfisches System ist im Vergehen, während in einem neuen Bürgertum die Forderungen von Freiheit und Menschlichkeit im Geiste der Vernunft und aller elementaren Grundrechte sich erhebt. Von Haus aus ein robuster, von einem dämonischen Temperament besessener Mensch mit hartem Bauernschädel und energischer Willenskraft, eine vielseitige Begabung, innig verbunden mit seinem Land und seinen Landsleuten, mitunter unberechenbar, in Liebes- und Rauflust sogar des öfteren offenbar in allerlei mißliche Lagen gedrängt, aber doch wieder vom Lebensstil des neuen Bürgers erfaßt und in ständiger Fühlung mit höfischen Kreisen hat Goya in seinem Künstlertum alles Gewalttätige und Vagierende im Laufe seiner Entwicklung schöpferisch zu gestalten vermocht. So hat sein gesamtes Schaffen wohl den schönen einheitlichen Klang nicht nur des großen Europäers, sondern vor allem des unbeirrbaren Weltbürgers, bei dem die leidenschaftlichen Bewegungen des Künstlers und Menschen nicht zu trennen sind. Der demokratische Geist kommt in ihm zu einer vorbildlichen Prägung. Vulgären Typus und aristokratische Haltung vermochte er wie kein anderer in vollendeter Form zu bannen. Er nimmt den Kampf gegen den Zopf der Aka-